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Kleiner Filzkurs Teil 3

von Cerid Dieterle, Waiblingen 2006

Teil 3 des kleinen Filzkurses

Erstes Anfilzen

Die Wolle ist jetzt fertig ausgelegt und mit dem Fliegengitter gesichert. Nun geht es ans Filzen. Von der Mitte aus wird jetzt die Wolle durch das Gitter hindurch mit sehr heißem Wasser besprengt. Nicht zu viel Wasser verwenden. Das ist gar nicht nötig. Die Wollfasern werden erst einmal das Wasser abstoßen.

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Dann fährt man ganz vorsichtig mit einem Seifenblock über die nasse Oberfläche und beginnt, die Wolle durch das Fliegengitter hindurch ganz sanft zu streichen. Ohne Druck und wirklich nur ganz, ganz leicht. Das ist am Anfang das Wichtigste. Man sollte die Fasern erst einmal wie ein rohes Ei behandeln. Beginnt man mit zu viel Druck und zu starkem Reiben, dann rutschen die Wollfasern auseinander statt in sich zusammen. Das ist der häufigste Fehler, der von Filzanfängern gemacht wird. Ich schließe mich da nicht aus. Ich war früher auch immer zu stürmisch und ungeduldig und habe am Anfang auch zu schnell zu stark gefilzt. Also immer schön sanft und gaaaaanz langsam anfangen.

Was brauche ich zum Filzen?

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Wichtig! Man muss die unteren und seitlichen Ränder trocken lassen!!!!
Denn die benötigen wir später, um das Vorderteil unserer Tasche anfilzen zu können. Auch hier kann man immer mal wieder die Schablone auflegen, um zu sehen, wie weit man die Wolle feucht machen kann und wo der Rand beginnt.

Aber der ganze Rest sollte jetzt nass sein. Es dürfen keine trockenen Stellen mehr innerhalb der Schablone sein. Durch die Seifenlauge kann das heiße Wasser schön in die Wolle eindringen. Durch das sanfte Streichen entweicht Luft.

Um für den Überschlag der Tasche einen sauberen geraden Rand zu bekommen, können wir mit Hilfe der unteren ausgelegten Plastikfolie den Rand einschlagen. Aber vorher das Fliegengitter vorsichtig entfernen! Sonst filzt das mit ein! Über diese Folie streichen wir dann wieder mit den Händen. Eine ganze Zeit lang. Nach einer Weile kann man die umgeklappte Plastikfolie dann wieder vorsichtig aufschlagen.

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Nun schneiden wir mit einer Schere kleine Schnitte an die Stelle der Tasche, wo der Überschlag anfängt. Und die Ränder werden ganz vorsichtig eingeschlagen und anfilzt. Aber nur die Ränder des Überschlags!!! Unten immer noch alles schön trocken überstehen lassen. Es ist übrigens nicht schlimm, wenn die unteren Ränder nass werden. Aber sie sollten auf keinen Fall angefilzt (gerieben) worden sein.

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Jetzt kommt endlich unsere Schablone zum Einsatz. Sie wird aufgelegt.
Dann werden im unteren Teil zuerst einmal ZWEI Schichten Wollfasern aufgelegt. Aber diesmal nicht überstehend, sondern nur so groß, wie auch die Schablone ist!


Das Ganze wird dann wieder mit dem Fliegengitter bedeckt und mit heißem Wasser und Seife vorsichtig angefilzt. Aber die unteren und seitlichen Ränder der unteren Wollschichten lassen wir immer noch schön in Ruhe. Die sind gleich dran…

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Nachdem wir das Fliegengitter wieder entfernt haben, werden wir nun ganz vorsichtig die unteren und seitlichen überstehenden Ränder einschlagen. Und zwar über die soeben angefilzten zwei Schichten.

Besonders sorgfältig muss man dabei bei den Ecken sein. Es sollen keine dicken Umschlagwülste entstehen. Die Fasern sollten sorgfältig dünn über den zwei oberen Schichten liegen. Und vor allem sollte die Schablonenfolie direkt an der Kante innen liegen! Das kann man vorsichtig erfühlen.

So in etwa sollte es dann aussehen, wenn die überstehenden Ränder über die oberen zwei Schichten geschlagen sind.

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Danach legen wir die weiteren zwei Schichten Wollfasern wieder dachziegelartig auf den unteren Teil der Tasche. Hier sollen die Fasern jetzt nicht überstehen, aber den eingeschlagenen Rand vollständig bedecken. Damit schaffen wir eine schöne saubere Verbindung.

Die obere Kante der Tasche können wir auch wieder einschlagen, damit eine schöne gerade Linie entsteht.

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Wir bedecken das ganze wieder mit dem Fliegengitter und mit heißem Wasser und Seife filzen wir durch sehr sanftes Reiben der Oberfläche das Wasser in die Wollfasern. Dabei müssen wir jetzt gut auf die Ränder achten. Sie müssen immer schön direkt an die innere Noppenfolie-Schablone anschließen.

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Nach einer Weile werden sich die Fasern schon leicht verbunden haben. Das kann man mit einer Zupfprobe feststellen. Die einzelnen Fasern kann man zwar noch leicht auseinander ziehen, aber sie haben sich schon miteinander verbunden, also verfilzt. So vorbereitet kann das Filzstück dann langsam und vorsichtig gewalkt werden. Walken ist der eigentliche Filzvorgang, bei dem sich die einzelnen Schafhaare zu einem Stück Stoff verbinden werden.

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Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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