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Kleiner Filzkurs Teil 4

von Cerid Dieterle, Waiblingen 2006

Teil 4 des kleinen Filzkurses

Walken, walken, walken...

Die Tasche wird mitsamt der inneren Schablone ganz vorsichtig in der Anti-Rutschmatte (oder dem Bambusrollo) eingerollt. Diese Rolle sichern wir dann mit den Schnürsenkeln.

Beim Einrollen kann es sehr nützlich sein, wenn man ein großes Handtuch als Unterlage verwendet. Denn durch das Einrollen entweicht viel Wasser aus der Wolle…
Außerdem rutscht die Walkrolle auf der Handtuchunterlage nicht so sehr weg.

Dann wird die Rolle ganz vorsichtig und ohne Druck erst einmal so etwa 50 x hin und her gerollt.

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Danach wird die Rolle geöffnet und das Filzstück gedreht. Wieder eingerollt und wieder etwa 50 mal sanft hin und her gerollt. Wieder öffnen… wieder drehen… wieder einrollen… wieder weiterwalken. Das machen wir, bis wir alle acht Seiten unseres Filzstückes bearbeitet haben.

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Ein Filzstück schrumpft übrigens immer in die Richtung, in die es gewalkt, also gerollt wird. Hat man das Gefühl, daß die Tasche zu breit wird, dann sollte man sie mehr quer in der Breite walken, damit sie schmäler schrumpft.
Nun müsste die Tasche schon etwas stabiler sein. Man kann die innere Schablone kurz entfernen und die Kanten der Tasche bearbeiten. Dazu kann man eine Hand in die Tasche hineinstecken und mit der anderen Hand aussen etwas fester dagegen reiben.
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Zwischendurch kann man das Filzstück auch immer wieder mit heißem Wasser und Seife bearbeiten. Je heißer das Wasser, desto besser verfilzen die Fasern. Vorerst nur etwas fester reiben und streichen. Später, wenn alles mehrmals gewalkt wurde und schon stabiler ist, kann man auch mal kneten oder die Tasche sanft auf den Tisch werfen. Dabei rücken die einzelnen Fasern noch mehr ineinander und verbinden sich fest.
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Vor, zurück, vor, zurück, vor, zurück….
Immer wieder muss die Tasche gewalkt werden. Das ist eine echte Geduldsprobe. Es dauert und dauert und dauert…


Nach einer Weile ist die Tasche schon sehr geschrumpft und die Fasern werden sich jetzt nicht mehr miteinander verbinden. Man kann die innere Schablone, die ja als Trennmittel fungiert hat jetzt endgültig entfernen und ohne sie weiterwalken. Man sollte aber immer wieder überprüfen, ob sich das Innere der Tasche auch wirklich nicht miteinander verbindet und verfilzt.


Wir walken mit immer stärkeren Druck auf die Rolle. Hat man das Gefühl, dass es einfach nicht voran gehen will, dann kann man zwischendurch die Tasche komplett in sehr heißes Wasser tauchen, leicht ausdrücken und dann wieder weiterwalken.
Man sollte in jedem Fall geduldig sein und nicht vorzeitig mit dem Walken aufhören. Denn ein schlecht gefilztes Stück wird sehr schnell unschön, wenn sich auf der Oberfläche durch die abstehenden Härchen Knötchen bilden bei der Benutzung später. Aber auch hier ist die Wollqualität wieder ausschlaggebend. Die Oberfläche von Filz aus Merinowolle ist sehr viel feiner, als die robuste Wolle vom Bergschaf.


Falls man keine Lust mehr hat, dann kann man das Filzstück auch gut einmal einen Tag liegen lassen und am nächsten Tag frisch ans Werk gehen. Sollte aber mehrere Tage nicht weiter gearbeitet werden, dann sollte man die Seifenlauge gut auswaschen. Denn die Seife greift die Wollfasern an. In jedem Fall muss man schon so vier Stunden für das Filzen Zeit haben.


Aber irgendwann ist es geschafft! Man kann dann deutlich erkennen, wie die Fasern sich verbunden haben. Vor allem, wenn man mit verschiedenen Farben gefilzt hat.

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Hier die Vorderseite der Tasche. Hier kann man in der roten Spirale erkennen, wie sich die unteren blauen Fasern mit der roten Wolle verfilzt haben. Und rechts die Rückseite. Die rote Spirale schimmert durch. Man erkennt einzelne rote Fasern im blauen Filz.

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Jetzt muss die Seife noch gut ausgewaschen werden. Denn die Lauge schadet der Wolle. Dem letzten Spülgang fügt man deshalb einen kleinen Schuss Essig-Essenz hinzu. Damit die Seife neutralisiert wird.

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Fertig ist unsere kleine Tasche.
Sie muss jetzt nur noch trocknen. Das kann unter Umständen zwei bis drei Tage dauern. Man sollte sie aber trotzdem nicht direkt auf die Heizung oder in die Sonne legen.

Nun hoffe ich, dass ich alles einfach und verständlich erklärt habe. Eins ist sicher… Filzen ist aufwendig, viel Arbeit und man braucht Zeit und Geduld.

Seit ich filze weiß ich genau, warum handgearbeitete Filzgegenstände so teuer sind. Sie sind es wirklich wert!


Aber das Filzen macht auch viel Freude. Vor allem, wenn man dann die fertigen wunderschönen, nützlichen oder dekorativen Unikate betrachtet, die man selbst hergestellt hat.


Viel Spaß beim Filzen!


Cerid


dieterle-design


Hier noch die am Anfang versprochenen Kontaktadressen, wo man Wolle und Zubehör zum Filzen kaufen kann:

  • Traub Wolle Monika Traub - Schorndorfer Str. 18 - 73650 Winterbach
    Tel: 07181-70910
  • Wollwerkstatt Wollknoll Sonja Fritz - Forsthausstr. 7 - 74420 Oberrot-Neuhausen
    Tel: 07977-910293
  • Seehawer & Siebert - Heuberger Hof 1 - 72108 Rottenburg a. N.
    Tel: 07472-3019
  • Filzrausch Frieder Glatzer - Hagenweg 2b - 37081 Göttingen
    Tel: 0551-67515

Wieder zu Teil 3

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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