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Grundsätzliches

Diese Seiten sind als Einstieg für alle gedacht, die sich zum ersten Mal mit dem Nähen beschäftigen wollen und auch noch gar nicht so recht wissen, wie sie denn nun anfangen sollen.Hier findest du neben einer einfachen Anleitung zum Erstellen von Schnittmustern auch allgemeine Informationen zu Stoffen, Farben und Nähutensilien, wobei der Schwerpunkt wie gehabt in der Vergangenheit liegt und ich mir hier und da ein paar Hintergrundinformationen nicht nehmen lasse.

Die hier aufgeführten Erklärungen sind mit Absicht nicht in der Sprache einer Schneidermeisterin verfaßt, da ich erstens selbst keine bin und mich zweitens für alle verständlich ausdrücken möchte. Denn schließlich geht es auch hier wieder darum, möglichst jedem, der selbst kreativ arbeiten möchte, eine Anleitung zu geben, die man auch ohne Wörterbuch versteht.

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Um einen ersten Einblick zu bekommen, was im Mittelalter getragen wurde, ist es hilfreich, zunächst einmal die Terminologie “Mittelalter” kurz zu umreißen, was an sich schon ein schwieriges Unterfangen ist, da es das Mittelalter im Mittelalter “nicht gab”. Damit will ich sagen, daß der Begriff Mittelalter eine Erfindung der modernen Geschichtsschreibung ist und es einen ziemlich langen Zeitraum umfaßt, über den sich die Gelehrten auch heute noch nicht ganz einig sind Viele Stimmen sagen, das Mittelalter umfasse die Zeit von 500 - 1500 n.Chr., also eine Spanne von 1000 Jahren. .Dazu kommt, daß es sich hierbei nur um die europäische Geschichte handelt, da diese Zeitabgrenzung in anderen Regionen der Erde keinen geschichtsträchtigen Sinn macht. Auf Asien und Afrika (von Amerika und Australien mal völlig abgesehen) trifft die Terminologie “Mittelalter” aufgrund der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen einfach nicht zu, zumal es diese Regionen aus europäischer Sicht und mit Ausnahme von Nordafrika, dem nahen Osten und vielleicht auch noch Indien und China vor Marco Polo “einfach nicht gab”. Geographische Karten zeigten ein Weltbild, über das wir heute nur noch lächeln können. So lag das heilige Land beispielsweise im Zentrum der Welt, wie man auf der hier abgebildeten Karte von 1225 AD gut sehen kann. Auch wenn man es hier nicht genau erkennen kann, so liegt doch der Osten oben auf der Karte!

Bei unseren Versuchen, das Mittelalter regional und epochal so abzugrenzen, daß es uns für die Herstellung von “der Zeit und dem Ort angemessenen” Kleidungsstücken dienlich ist, haben wir also nicht nur eine sehr weite Zeitspanne abzudecken sondern finden uns auch in der mißlichen Situation, daß die modischen Unterschiede regional betrachtet doch erheblich sein konnten, zumal die neuesten Pariser Trends (die es auch damals aus der Modehochburg Paris bereits gab!) natürlich nicht im Fernsehen übertragen wurden sondern mal langsam, mal schneller ihren Weg in die mittelalterliche Welt fanden.

Paris war auch nicht die einzige Quelle neuer Mode. Viele Neuerungen gelangten durch Heimkehrer von den Kreuzzügen nach Europa, und auch die Venezianer hatten ihren eigenen Kopf und leiteten (soweit ich weiß) als erste die Renaissance ein.

Kleidung drückte auch in hohem Maße die Standeszugehörigkeit einer Person aus. Alle anderen weltlichen Reichtümer wie Landbesitz und Wohnstatt waren relativ kostengünstig und somit nicht zur Zurschaustellung des eigenen Reichtums geeignet, zumal es so etwas wie eine Luxuswohnung oder Villa nicht wirklich gab. Die Menschen hausten in recht primitiven Wohnstätten, und Burgen waren eher Verteidigungsanlagen als Prunkbauten. Somit war Kleidung am besten geeignet, um den gesellschaftlichen Stand auszudrücken. Generell galt: Je besser die Person gestellt ist, um so mehr Stoff wird verwendet und um so teurere Stoffe wurden getragen. Je höher der Stand um so länger die Schleppe. Dazu kam allerlei Zier wie Borten und Stickereien, das Applizieren von Edelsteinen und Knöpfen, so daß die Gewänder schon mal reichlich überladen sein konnten.

Weitere Aspekte wie die ritterliche “mâze” (Mäßigung) spiegelten sich auch in der Mode wider. Die mâze brachte wieder ein wenig mehr Schlichtheit in die Mode und drückte diese ritterliche Tugend in einem eleganteren Stil aus.

Um die Standesunterschiede in der Kleidung zu reglementieren, entstanden auch schon sehr früh regelrechte Kleiderordnungen, an die man sich aber nicht wirklich immer hielt. Im Bemühen, nur den Menschen hohen Standes gewisse Extravaganzen zu erlauben, entstand um 1150 die “Kaiserchronik”, die eben diese Ordnung regeln sollte. Solche Anordnungen gab es immer wieder, so auch unter Heinrich VIII. Ob man sich daran hielt, war eine andere Frage - Karl der Große soll jedenfalls in seiner “Freizeit” oft schlichte Bauernkleidung getragen und sich über seine Höflinge in den unbequemen Gewändern lustig gemacht haben.

Natürlich wird es mir nicht möglich sein, die gesamte Kleiderpalette aller Stände über einen Zeitraum von ca. 1000 Jahren in einem so großen Gebiet, wie es Europa nun einmal ist, hier vorzustellen - das geht weit über meinen Horizont. Die hier genannten Aspekte der Mode sollen auch eher ein paar Hintergrundinformationen und Anregungen liefern, über die es sich nachzudenken lohnt.

Oft haben wir die Tendenz, das Mittelalter als eine einzelne Epoche in einer Grundsätzlichkeit darzustellen, die es im Grunde genommen gar nicht gibt. Deshalb war es mir wichtig, noch einmal auf die Weitläufigkeit der Thematik aufmerksam zu machen, und es sei mir verziehen, wenn die hier gelieferten Informationen lückenhaft bleiben werden.
Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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