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Farbenkunde

Wenn wir uns überlegen, ob uns eine Farbe steht oder uns im Laden etwas gefällt, weil es so einen schönen Farbton hat, dann haben wir heute eine Wahlfreiheit, die es im Mittelalter so nicht gab. Die Einschränkungen, denen sich die Menschen damals gegenüber sahen, rührten von drei Hauptaspekten her.

Zunächst einmal war die Farbe der getragenen Kleidung abhängig von den zur Verfügung stehenden Rohstoffen in den Färbereien und natürlich von den Rezepturen, nach den die Farben hergestellt wurden. Dann kam es auf die Geldkatze an – nur die Betuchten konnten sich gefärbte Stoffe leisten. Und schließlich gab es da noch Farben, die die Zugehörigkeit zu bestimmten Ständen ausdrückten.

Grundsätzlich kann man sagen, daß der Großteil der Menschen, das arme Volk, ungefärbte Kleidung trug. Wolle, Flachs und Hanf wurden in Heimarbeit zu Fäden gesponnen und daraus Stoffe für den Eigenbedarf gewebt. Dabei wurde auf den zusätzlichen Arbeits- und Kostenaufwand der Färberei oft ganz verzichtet.

Braun

Die Farbe Braun läßt sich extrem einfach herstellen und gilt daher auch als Bauernfarbe. Der einfachste Weg, Stoff braun zu färben besteht darin, die grünen Außenschalen der Walnuß kleinzuschneiden, ein bis zwei Tage in Wasser einweichen zu lassen und dann den Stoff dazuzugeben. Nimmt man diesen nach ca. 24 Stunden aus dem Wasser, ist und bleibt er braun. Dies gilt sowohl für Wolle als auch für Leinen. Wolle kann auch mit vielen anderen Pflanzenfarben braun gefärbt werden, so z.B. mit Eichenrinde. Auch rotbraune Töne erhält man aus manchen Rinden oder Wurzeln.

Davon abgesehen gibt es natürlich auch braune Schafe, so daß Naturwolle auch bereits ohne Färbung braun sein konnte.

Blau

Blautöne erfreuten sich größter Beliebtheit. Zum Färben wurde meist heimisches Indigo verwendet, das aus der Waidpflanze gewonnen wurde. Waid wurde als einheimische Gartenpflanze seit der Zeit Karls des Großen in den Gärten Europas kultiviert und war so ein Gut, das nicht allzu schwer zu beschaffen war.

Heutzutage ist die Pflanze bei uns zu Unkraut verkommen und wächst nur noch vereinzelt an Bahndämmen. Im Mittelalter aber wurde die Pflanze überall angebaut und anschließend zu kleinen Waidkugeln verarbeitet. In dieser Form kam das einheimische Indigo auf die Märkte.

Es gibt auch noch andere Blaufärber, wie z.B. der Färberknöterich oder auch schwarze Stockrosenblüten, die aus dem Mittelmeergebiet stammen.

Hochwertigeres importiertes Indigo konnten sich dagegen nur die höheren Stände leisten. Es wurde aus der Indigo Pflanze gewonnen, die zwar den gleichen Farbstoff wie Waid enthält, jedoch in viel höherer Konzentration. Entsprechend kräftiger wurden die Blautöne, die man damit erzielen konnte. Das exquisite Kobaltblau war der Kirche und dem Adel vorbehalten und durfte nicht vom einfachen Volk getragen werden. Wer übrigens einen minderwertigen Stoff in Kobaltblau färbte, machte sich schon damals der "Schönfärberei" schuldig. Man kann aber nicht verallgemeinernd sagen, blau wäre nur eine Farbe für Adel und Kirche – hier muß man schon in den einzelnen Farbnuancen unterscheiden.

Rot

Rot ist nicht gleich rot. Es gab vier Hauptlieferanten für roten Farbstoff: Krapp, Kermes, Cochenille und Purpurschnecke.

Aus Krappwurzel wurden die meisten roten Stoffe hergestellt. Krapp wurde, ebenso wie der Waid, seit der Zeit Karls des Großen in Europa kultiviert, so daß dieses einheimische Produkt leicht gut verfügbar war. Zum Färben verwendet man die Wurzel der mindestens drei Jahre alten Pflanze. Krapprot war also nicht teuer und konnte von allen Bevölerungsschichten getragen werden.

Ein weiterer Rotlieferant war die Kermeslaus, die im Mittelmeergebiet ansässig war. Dieser Farbstoff ergibt ein klareres Rot als das Krapprot. Letzteres hat immer einen ganz leichten Hang zu Ziegelrot, selbst wenn man die Färbung sehr gut hinbekommt. Soweit ich weiß, ist die Kermeslaus heutzutage als Färbeprodukt nicht mehr erhältlich.

Ebenso wie die Kermeslaus ist auch die Cochenille eine Laus, die als Rotfärber verwendet wurde. Mit ihr erhält man sehr strahlende Rottöne in vielen verschiedenen Nuancen. Heutzutage wird sie aus Mittel- und Lateinamerika importiert aber im Mittelalter gab es bereits die sogenannte polnische Cochenille.

Der märchenhafte Purpurmantel des Kaisers allerdings hatte eine Farbgebung, die sich sowieso nur ein Kaiser oder König leisten konnte, da der roten Farbstoff aus Purpurschnecken gewonnen wurde. Diese Gewinnung stellte einen extremen Aufwand dar und war so teuer, daß sich sowas außer dem Kaiser sonst eh niemand leisten konnte (außer vielleicht dem Papst).

Gelb

Die Farbe Gelb ist in der Mittelalter Szene wohl die Umstrittenste überhaupt. Die Faustregel, daß blaßgelbe Accessoires wie z.B. ein Tüchlein die Dirnen kennzeichnen, mochte in vielen Regionen Europas zwar stimmen, in anderen aber auch nicht. Juden mußten zum Beispiel ab dem 13. Jahrhundert ein gelbes Zeichen als Erkennungsmerkmal tragen (hatten wir also alles schon ...).

Man kann also ganz und gar nicht generell sagen, daß ein gelbes Kleidungsstück gesellschaftlichen Außenseitern vorbehalten war. Ein prächtiges, strahlendes Gelb ist durchaus gesellschaftsfähig gewesen, erinnerte die Farbe doch an Gold und Reichtum.

Nur die Kirche war mal wieder gegen das Tragen von Gelb, da dies ihrer Meinung nach Teuflisch und eine Zeichen für Sündhaftigkeit war. Der älteste bekannte Gelbfärber ist der Färberwau oder auch Reseda genannt. Mit Wau erhält man ein strahlendes lichtechtes Gelb. Aber es gibt noch eine sehr große Zahl an anderen Gelblieferanten, die ganz wunderbare leuchtende Töne hervorbringen. U.a. sind hier zu nennen: Birkenblätter, Rainfarn, wilde Möhre, Frauenmantelkraut und viele andere krautartige Pflanzen, die auch heute bei uns noch heimisch sind.

Grün

Nun ja, grün ist nicht gleich grün. Es gibt zwei Möglichkeiten der Herstellung: Entweder als Mischfarbe, d.h. die Stoffe wurden zunächst blau gefärbt und dann gelb oder umgekehrt. Diese Doppelfärbung ergibt ein sehr strahlendes Grün. Da dies ein erhöhter Arbeits- und Kostenaufwand war, konnte es sich aber auch nicht jeder leisten.

Die zweite Möglichkeit ist, einen Gelbfärber nach der Färbung mit Eisensulfat anzureichern und den Gelbton hiermit in einen mein moos- oder olivgrünen Farbton umzuwandeln. Das funktioniert mit allen Gelbfärbern ganz gut. Anstelle von Eisensulfat kann man auch mit einem Eisentopf arbeiten oder Eisenstückchen längere Zeit ins Wasser legen bis die Flüssigkeit als Eisensulfat-Ersatz brauchbar ist.

Es gibt auch ein paar wenige Pflanzen, die direkt grün färben, allerdings auch nur im Bereich Moos- bis Olivgrün. Eine davon ist die schwarze Stockrosenblüte. Diese färbt zunächst blau, wenn die Temperatur aber bis zum Siedepunkt steigt, schlägt der Ton in Grün um.

Schwarz

Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts waren einfache Mönche so ziemlich die einzigen, die schwarze Kleidung trugen. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam schwarz auch bei den Kaufleuten in Mode.

Schwarz wird u.a. aus Krapp und Indigo als Doppelfärbung gemacht, dabei müssen aber beide Färbungen bereits sehr kräftig sein. Es ist dann aber auch eher ein sehr dunkles Lila, das nicht ganz an das von uns heute Schwarz Genannte herankommt.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die mittelalterliche Welt der Kleidung sehr farbenfroh war. Wir sollten uns nicht durch erhaltene Textilfunde täuschen lassen, die natürlich im Laufe der Jahrhunderte völlig verblaßt sind. Leuchtende Farben waren schon immer was fürs Auge, und auch wenn die Farbkombinationen von damals heute vielleicht nicht mehr in sind, so ist doch seit Anbeginn der Zeiten ein farbenfrohes Antlitz der eigenen Eitelkeit ein tiefes Bedürfnis.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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