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Nähstiche

Auch wenn ich selbst mit der Nähmaschine arbeite, möchte ich hier doch die im Mittelalter gebräuchlichen Sticharten aufführen, zumal sie sich recht einfach darstellen lassen, da es nicht viele verschiedene Techniken gab, (oder mir zumindest nicht viele bekannt sind).

Zweitens sind solche einfachen Nähte nicht sehr belastbar und halten meist nicht lange. Dies gilt besonders für Stellen, an denen die Naht stärkeren Belastungen ausgesetzt ist (etwa unter den Armen oder auch hinten an der Hose).

Wenn wir uns die Nähte gekaufter Kleidung mal genau ansehen, dann können wir ein paar interessante Beobachtungen machen, die uns helfen werden, unser Kleidungsstück so zu nähen, daß sich die Nähte nicht auftrennen. Nimm dir mal ein T-Shirt und sieh dir an, wie die das gemacht haben. Du wirst sehen, daß die Nähte von dem Teil auch nur einfach genäht sind, aber die beiden Stoffenden wurden dann auch noch mal mit so komischen Zackelstichen aneinandergenäht. Diese Zackelstiche oder Zickzackstiche halten den Stoff nämlich vom Ausfransen ab, d.h. er trennt sich nicht von allein auf und die Nähte halten (mehr oder weniger).

Nun ist der Zickzackstich sicher nicht mittelalterlich sondern eine Erfindung, die wohl zusammen mit der Nähmaschine aufkam. So praktisch er auch ist, sehen sollte man ihn an deinem Gewand also auf keinen Fall! Ich geb's ja zu, ich verwende den Zickzackstich selbst auch, allerdings so, daß er am Ende nicht mehr sichtbar ist. Da die Stoffe, mit denen wir arbeiten, normalerweise alle ausfransen (mit Ausnahme von ein paar gefilzten Wollstoffen vielleicht), finde ich es besser, gleich Nägel mit Köpfen zu und mein Werk von Anfang an haltbar zu machen. Deshalb nehme ich jedes einzelne Stoffteil und umzackel es einmal rundherum – dann ist Schluß mit Ausfransen. Danach werden diese Ränder aber in die Nähte eingearbeitet, so daß man sie nicht mehr sehen kann. Früher wurde das natürlich nicht gemacht, aber ich will ja nicht, daß die ganze Arbeit nur ein paar Wochen hält und schummele deshalb ein bißchen.

Aber ich schweife ab, zurück zu den Nähten. Nachdem du dir dein T-Shirt ausgiebig angeschaut hast, nimm dir mal eine Jeans vor! Diese "doppelten" Nähte, die du hier findest, halten richtig was aus. Diese Naht heißt "Kappnaht", und es gibt auch eine gute Nachricht: Das gab's auch schon im Mittelalter und ist "A". Erklärungen, Abbildungen und eine Schritt für Schritt Anleitung - also alles zum Thema - findest du im Artikel Kappnaht.

Anmerkung: Da die hier aufgeführten Stiche auch in der Stickerei bekannt sind und ich sie in dieser Sektion bereits beschrieben habe, sind sie auch alle dorthin verlinkt. Wer also eine Abbildung der einzelnen Stiche ansehen möchte, klickt einfach auf das verlinkte Wort und kommt so direkt zu den Stickstichen. Hin und herpendeln kannst du aber auch über die Buttonleiste links. Weitere Abbildungen folgen weiter unten bei den Erklärungen zu den Nähten.

Vorstich

auch Steppstich oder Heftstich genannt

Der Vorstich ist die einfachste Variante, zwei Stoffteile aneinander zu nähen. Je nach Feinheit des Stoffes können die einzelnen Stiche sehr klein oder etwas länger sein, also zwischen 2 und 8 mm Stichlänge.

Rückstich

Eine etwas haltbarere Variante ist der Rueckstich. Er ist auch ein Heftstich mit dem Vorteil, daß die Nähte nicht so leicht wieder aufgehen. Bei der Stichlänge gelten die gleichen Angaben wie beim Vorstich (s.o.).

Hexenstich

Eine hübsche Variante beim Versäumen von Nähten ist der Hexenstich über die Naht, den man auch verwenden kann, wenn diese Naht außen liegt, also sichtbar ist.

Überwendlichstich

Sehr gebräuchlich ist dieser Stich, der so ziemlich dem Gobelinstich aus der Stickerei entspricht. Hier werden schräge Stiche parallel über die Naht gelegt, um die Stoffteile zusammen zu halten.

Knopflochstich

Der Knopflochstich wird in der Näherei natürlich für Knopflöcher verwendet. Eine andere Variante ist, ihn am Stoffrand zur Verstärkung anzubringen, wenn man zusätzlich eine Borte seitlich (also neben und nicht auf den Stoff) nähen will. Dann wird die Borte mit Hilfe von Überwendlichstichen (s.o.) seitlich angenäht, wobei letztere durch die Enden der Knopfnochstiche geführt werden. Aber natürlich kann man die Borte auch direkt auf den Stoffrand aufnähen.

Blindlochstich

Da viele Kleidungsstücke nicht mit Knöpfen sondern mit Bändern zusammengehalten wurden, mußten die Kordeln und Schnüre durch sogenannte Nestellöcher gefädelt werden. Der Blindlochstich dient dem sauberen Vernähen dieser Löcher, um ein eventuelles Ausreißen des Stoffes zu verhindern.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 09.04.2007 Author: Flinkhand
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