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Die Kappnaht

Die Kappnaht ist eine sehr alte und ziemlich stabile Naht, wie sie auch heute noch beispielsweise bei Hosen verwendet wird. Der ein oder andere kennt sie vielleicht auch als Jeansnaht. Sie kam bereits im Mittelalter häufig vor und kann (und sollte) für das Nähen eines Gewandes verwendet werden.

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Die Kappnaht wird so genäht, daß beide Stoffenden praktisch ineinander greifen. Auf der Abbildung habe ich sie einmal mit Vorstichen versehen (das sind die Striche, die gerade herunter verlaufen) und einmal mit Überwendlichstichen (hier in rot). Der Überwendlichstich erscheint hier im Bild einmal von vorn (Schrägstriche) und einmal von hinten (waagerechte Striche). Natürlich muß man sich für eine Variante entscheiden und nicht Vor- und Überwendlichstiche gleichzeitig benutzen (ist ja klar). Für die Erklärungen zu den einzelnen Stichen siehe auch Stiche und Nähte.

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Nun sieht man bei dieser Naht aber zwei Nahtlinien, was manchmal vielleicht nicht erwünscht ist, zum Beispiel bei den Ärmeln oder an den Seiten. In diesem Fall kann man alternativ auch eine beinah unsichtbare Nahtstelle machen, indem man erst im Vorstich wie in der Abbildung hier unten bei eins die Stoffe zusammennäht, das Ganze dann noch einmal umschlägt und auf der bereits bestehenden Naht im Vorstich eine weitere Vorstichnaht näht. Die unten im Bild gezeigten Überwendlichstiche (in rot) entsprechen der bereits oben gezeigten Variante, wobei hier alle Stiche bei zwei erneut durchgeführt werden.

Die Kappnaht - Schritt für Schritt

Für diejenigen unter euch, die noch nie genäht haben oder im Nähen noch Anfänger sind, habe ich hier eine Schritt für Schritt Anleitung, wie man eine Kappnaht bei einem Kleidungsstück macht. Auch wenn die Abbildungen hier oben bereits recht aussagekräftig sind, so mag es doch für Anfänger nicht selbsterklärend sein. Also los geht’s:

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Zuerst werden beide Stoffteile (hier eins in blau und eins in rot zur besseren Unterscheidung) einfach mit Rückstichen (oder mit der Nähmaschine) an einer Seite zusammengenäht, wobei ungefähr 1,5 - 2 cm Nahtzugabe (also der Rand) überlappt. Wie viel Nahtzugabe du nehmen willst, hängt davon ab, wie gut sich der Stoff falten und umlegen läßt - probier es wie hier beschrieben einfach erst einmal ohne Nähen, dann weißt du, was ich meine.

Als nächstes wird eine Nahtzugabe (hier vom blauen Stoff) auf ca. 3 mm gekürzt, also einfach abgeschnitten. Es bleibt also eine lange Nahtzugabe (rot) und eine ganz kurze (blau) übrig

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Jetzt kommt es darauf an, ob der Stoff auseinandergefaltet wird oder nicht - das kommt natürlich darauf an, was aus den Stoffstücken werden soll. Wenn die Stoffteile aufeinander liegen bleiben sollen (zum Beispiel beim Zusammennähen eines Ärmels), dann wird wie hier bei Abbildung 2a die rote lange Nahtzugabe über die kurze Blaue geklappt, so daß man die Blaue nicht mehr sehen kann. Der Stoffrand vom roten Teil sollte genau an der ersten Naht von Abbildung eins aufliegen. Dann wird diese umgeklappte Naht noch einmal umgelegt, so daß sie doppelt gefaltet ist wie ein Saum. Schließlich wird das Ganze mit Rückstichen möglichst nah am inneren Saumrand vernäht. Hier muß man darauf achten, daß auf der anderen Seite des Stoffes (also wenn beispielsweise der Ärmel nach dem Zusammennähen umgedreht wird) nur eine einzige Naht zu sehen ist. Das heißt, daß die erste Naht, die wir laut Abbildung eins gemacht haben, in der Kappnaht “eingeschlossen” sein muß. Die letzte Naht (aus Abbildung 3a) ist die, die die beiden Stoffteile von außen gesehen zusammenhält.
Wollen wir aber die beiden Stoffteile nicht wie oben beschrieben nähen sondern beide Teile “auseinanderklappen” (wie bei Vorder- und Rückenteil), dann gehen wir wie folgt vor:
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Als ersten klappen wir beide Stoffhälften auseinander wie hier in Abbildung 2b. Dann legen wir wie auch schon oben beschrieben die lange rote Nahtzugabe über die blaue kurze und achten wieder darauf, daß das Ende des roten Stoffes an der ersten Naht abschließt. Die blaue kurze Nahtzugabe ist jetzt nicht mehr zu sehen (siehe Abbildung 3b). Nun schlagen wir das Ganze noch einmal um wie in Abbildung 4b, so daß auch hier wieder der gesamte blaue Nahtrand völlig eingeschlossen und der rote in sich umgeschlagen ist (so daß keine Stoffkante mehr zu sehen ist).

Schließlich wird auch hier wieder wie in Abbildung 3a eine zweite Naht mit Rückstichen genäht. Bei dieser Variante hier sind von der Außenseite dann zwei Nähte zu sehen, das heißt, die erste von Abbildung eins und die, die wir zum Schluß gemacht haben. Wichtig ist, daß beide Nähte so weit wie möglich parallel zueinander verlaufen, damit das Ganze auch ordentlich aussieht. Das ist die Naht, wie wir sie von einer Jeans kennen.
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Wenn sie am Ende auch so aussieht, hast du es wirklich gut gemacht.
Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 09.04.2007 Author: Flinkhand
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