18.jpg
flinkhand Derzeit hat Flinkhand
1 Besucher

Garnache

Die Garnache ist eine Mischung aus Obergewand und Mantel, die gegen Ende des 13. Jahrhunderts aufkam. Es handelt sich hierbei um ein Herrengewand, das eine Art Überwurf war und wie ein Mantel über dem Surcot getragen wurde. Für die Kategorisierung als Mantel spricht auch, daß die Garnache eine Kapuze hatte, die erst gegen Mitte des 14. Jahrhunderts manchmal wegfiel und dann durch eine separate Gugel ersetzt wurde. Das Obermaterial für Mäntel sind generell Wollstoffe. Natürlich war auch dieses Gewand gefüttert, gewöhnlich mit Pelz.

garnache_bild.jpg

Die Garnache hatte keine echten Ärmel sondern nur als solche angedeutete halbkreisförmig ausgestellte Ansätze an den Schultern. Diese waren an der gesamten Rundung offen. Auch war sie an den Seiten geschlitzt - bei Reitern ebenfalls vorn und hinten in der Mitte (siehe Abbildung). Manchmal hatte sie auch vorn noch zwei Schlitze, durch die man die Hände stecken konnte, um so die Gürteltasche greifen zu können, die ja unter dem Mantel getragen wurde. Diese Schlitze werden dann einfach vertikal an der Saumnaht in Gürtelhöhe (siehe Schnitt unten) eingearbeitet.Wie auch bei anderen Mänteln konnte die Länge der Garnache wohl variieren, auch wenn ich hierfür keine eindeutigen Belege gefunden habe. Da sie aber vom Schnitt her stark an den Tappert erinnert, auf einigen Abbildungen aber auch knöchellang zu sehen ist, gehe ich davon aus, daß sie mit dem allgemeinen Modetrend zu kürzerer Kleidung im 14. Jahrhundert auch an Länge verlor und schließlich nur noch über das Knie ging. Aber wie gesagt, das ist nur eine Vermutung.

Garnache.JPG

Der Schnitt der Garnache ist recht einfach und entspricht im weitesten Sinne allen Grundmustern mittelalterlicher Oberbekleidung. Dementsprechend wird wie immer die ursprüngliche Stoffbahn als Grundstein genommen. Man kann es hier auf der Abbildung nicht sehen, aber da die Schultern gerade sind, kann man die Stoffbahn auch einfach doppelt legen und den Halsausschnitt hineinschneiden. So spart man sich die Schulternähte, was natürlich immer praktisch ist.

In den Halsausschnitt setzen wir die Kapuze ein. Diese scheiden wir wie unten abgebildet zu, wobei der Stoff an der gestrichelten Linie gefaltet wird - so wird die Kapuze auf beiden Seiten genau gleich (im Gegesatz zu meiner etwas gekrakelten Skizze). Die Faltlinie gehört dann nach oben auf den Scheitel. Die beiden geraden Enden rechts und links werden in den Halsausschnitt eingenäht, die “Welle” (oben) bildet den Zipfel und die Gerade (unten) das Loch für den Kopf. Die beiden in Viertelkreisform ausgeschnittenen Seiten neben dem Kopfausschnitt werden zugenäht, denn sie bilden praktisch den Kragen für den Hals. Für etwas detailliertere Größenangaben kannst du dich an den Zuschnitt der Gugel halten, die ja ungefähr dem gleichen System entspricht.

garnache-kapuze.jpg

Da die Garnache gefüttert wird, kann man die Kapuze prima in das Futter einnähen, ohne sich viel Arbeit machen zu müssen. Dazu nimmst du die gefütterte Kapuze und steckst sie an der Nahtstelle einfach zwischen Obermaterial und Futter am Halsauschnitt. Dann nähst du Oberstoff und Futter mit dem Kapuzenstoff dazwischen zusammen. Dies ist in der Sektion Futter noch einmal mit Bild erklärt.
Die Ärmel sind schlicht Halbkreise mit recht großzügigen Radius, die nur seitlich angenäht werden. Es wird also nur die gerade Seite des Halbkreises an den Rumpfteil angenäht - die gesamte Rundung bleibt offen. Die Ärmel reichen bis ungefähr zu den Ellbogen, so daß der Radius des Halbkreises von Schulteransatz bis Ellbogen abgemessen werden kann. Man kann sie aber auch etwas kürzer fassen.
An beiden Seiten der Garnache werden schließlich Gêren eingesetzt, die dem Gewand die nötige Fülle verleihen. Man kann die sie nun auch noch an beiden Seiten (und für Reiter auch vorn und hinten) mit Schlitzen versehen.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
valid-xhtml valid-css valid-rss get Firefox get phpwcms PageRank Checking Icon