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Blackwork

Blackwork oder auch Schwarzstickerei genannt hat seinen Ursprung wahrscheinlich aus dem arabisch/persischen Raum. Ursprünglich wurde diese Technik für die Darstellung geometrischer Muster verwendet. Gläubige Moslems bilden keine Lebewesen ab, da dies nicht mit dem Koran vereinbar ist (kennen wir ja auch aus der Bibel: “Du sollst dir kein Bildnis machen.”) Daher waren die ersten Muster oft sehr linear, fast mathematisch und beruhten auch auf einfachen Elementen, die man bereits aus dem antiken Griechenland, dem Byzantinischen und dem Römischen Reich her kannte.

Nun war Spanien vom 8. bis zum 15. Jahrhundert von den Arabern besetzt, so daß sich spanische und arabische Einflüsse auch in der Stickerei mischten und im Laufe der Zeit viele florale Muster hinzukamen.

Die arabische Herrschaft in Spanien endete 1492 unter König Ferdinand und Königin Isabella. Ihre Tochter war Katharina von Aragon (1485-1536), die Heinrich VIII heiratete. Heinrich wurde 1504 zum König von England gekrönt, und Katharina damit Königin von England. Katharina von Aragon hatte eine Leidenschaft für Blackwork Stickerei, und da sie diese auf vielen ihrer Kleidungsstücken aus Spanien mitbrachte, wurde Blackwork in England des 16. Jahrhunderts äußerst populär. (Ist ja klar, alle am Hofe wollten es der Königin gleich tun.) Das heißt aber nicht, daß es Blackwork nicht schon vorher in Europa gegeben hätte, es wurde mit Katharina in England nur ausgesprochen modern zu jener Zeit.

Der berühmte Dichter Geoffrey Chaucer erwähnte bereits Ende des 12. Jahrhunderts diese Technik in seinen “Canterbury Tales”: “Whit was hir smok and browdid al byfore And eek byhyade on hir coler aboute of cole-blak silk, withinne and withoute.” (Versuch einer Übersetzung: Weiß war ihr Kittel und bestickt überall auf ihrem Kragen mit kohlenschwarzer Seide von innen und außen gleichermaßen.)

Blackwork war also auch in England nichts Neues, bekam aber mit Katharina eine neue Bedeutung. Katharina schenkte Heinrich dann aber nicht den ersehnten Thronfolger sondern “nur” eine Tochter mit Namen Mary (wir kennen sie als Mary Tudor), woraufhin der König, um sie loszuwerden, kurzerhand die Religion wechselte, protestantisch wurde und sich von ihr scheiden ließ. Ich erwähne dies nur, weil das die Stickerei vielleicht insofern beeinflußt hat, daß sie mehr und mehr ins traute Heim getragen wurde. Vergessen wir nicht, daß Stickerei schon aus Kostengründen hauptsächlich vom reichen Adel und von der Kirche ausgeführt wurde. Sie war nun auch ein anerkanntes Handwerk, das von Männern als Beruf ausgeübt wurde und nicht mehr nur von Frauen und Klosterbrüdern. Mit der neuen, protestantischen Religion, die Heinrich VIII sich zulegte, verschwand auch einiges vom kirchliche Pomp. Statt dessen wurden die Meister der Stickkunst nun von reichen, privaten Haushalten für die Ausschmückung von Rüstungen, Trachten und Masken für Turniere herangezogen. Man darf nicht vergessen, daß aus Burgen Städte geworden waren, aus Burgluiten Bürger und daß Reichtum nicht mehr nur dem Adel sondern auch Kaufleuten offenstand, die sich dementsprechend kleiden und schmücken wollten. Unter Heinrich VIII ging es sogar so weit, daß Gesetze erlassen wurden, die es jedermann, der nicht mindestens der Stand eines Ritters hatte, untersagte, bestickte Kleidung zu tragen. Dies geschah natürlich nicht alles von heute auf morgen, zeigt aber den steten Wandel in der Geschichte und deren Einfluß auf die Stickerei.

Heinrichs zweite Frau jedenfalls, Anne Boleyn, bekam dann auch eine Tochter, und zwar Elizabeth. Mal von dem wahrscheinlichen Tobsuchtsanfall Heinrichs über eine erneute Tochter abgesehen, wurde dieses Mädchen 1558 zu Elizabeth I. Königin von England gekrönt. Der von ihr geprägte “elisabethanische Stil” kam auf. Blackwork hatte also seine Blütezeit im 16. und 17. Jahrhundert.

Die Technik

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Die wohl am meisten verwendeten Stiche im Blackworkstil sind Holbeinstich und Rückstich. Diese wurden meist mit schwarzer Seide auf weißem Leinen gearbeitet, daher auch der Name Blackwork oder Schwarzstickerei. Es gibt eine sehr große Vielfalt, was die Muster angeht, und eine schöne Auswahl zum Nachsticken findet man in Bronwen’s Blackwork Library und auf den Seiten des Blackwork Archives, daher beschränke ich mich hier auch auf ein Beispiel.

Auch wenn nur einfarbig schwarz gearbeitet wurde, verschönerte man die schwarze Seide manchmal, indem man sie mit Metallfäden durchzog oder auch Pailletten applizierte. Andererseits konnte man teure Seide einsparen, indem man mit dem Rückstich anstelle des Holbeinstichs arbeitete, der nicht so viel Material verbraucht.

Blackwork wurde sowohl zum Verzieren von Kleidung als auch zum Ausschmücken von häuslichen Gegenständen und Möbeln verwendet.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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