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Wollverarbeitung

Die Wolle ist, wenn sie direkt vom Schaf kommt, natürlich noch unsortiert, ungewaschen und ungekämmt. Man nennt sie in diesem Zustand einfach Rohwolle. Sie hat dann noch ihren vollen Fettgehalt. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Wolle zum Spinnen (oder auch zum Filzen) vorzubereiten, damit sie verarbeitet werden kann.

Das Zupfen

Wenn man kein anderes Gerät zum Vorbereiten der Wolle zur Verfügung hat oder sich in mittelalterlicher Einfachheit üben möchte, kann man sich darauf beschränken, die Wolle zu zupfen. Das ist eigentlich ganz einfach, aber auch ziemlich mühsam und zeitraubend. Man nimmt sich einfach ein Stückchen von der Rohwolle und beginnt, alle Verschmutzungen und kleine Knötchen zu entfernen. Dabei wird die Wolle vorsichtig immer weiter auseinandergezogen, und zwar möglichst so, daß die Wollfasern am Ende schön parallel nebeneinander liegen. Die Wolle sollte nach einer Weile eine Art Fläche bilden, die man dann einfach so wie sie ist, zum Spinnen verwenden kann.

Das Kardieren

Ein Kardiertier im Haus macht Spaß

Der Begriff Kardieren stammt ursprünglich von einer bestimmten Distel, die Karde heißt. Die Widerhaken der Distel ähneln den heute verwendeten Karden, wie man sie zum Beispiel im Flinkhand Shop bekommt!

Beim Kardieren wird Wolle auf die eine Karde gelegt, die dann mit Hilfe der anderen Karde auseinandergezogen wird. Auf diese Weise werden einerseits kleine Unreinheiten entfernt, die bei diesem Vorgang aus den Fasern herausfallen, andererseits werden die Fasern voneinander getrennt und lassen sich so einfacher verspinnen. Es entstehen flauschige Büschel, die sich prima verspinnen lassen. Anstelle von Handkarden werden in der Industrie natürlich größere Karden verwendet, um die Wolle aufzuarbeiten. Meist wird diese im Vlies angeboten, das heißt als eine “Fläche vorbereiteter Fasern”, von der man sich immer ein Stückchen nehmen und es verarbeiten kann. Das ganze Vlies läßt sich aber auch prima zum Filzen verwenden, eben weil es schon als Fläche zur Verfügung steht.

Im Vlies liegen die Fasern in alle Richtungen quer durch den Gemüsegarten, und es befinden sich sowohl lange als auch kurze Fasern in einem Vlies. Deshalb sind Vliese toll, um Garne mit etwas Struktur zu spinnen, also nicht ganz gleichmäßiges Garn.

KDurch klicken kommst Du zu einem Youtube Video übers Kardierenleine Vliese kann man mit einer Kardiermaschine auch selber machen. Dabei kannst du Rohwolle vom Schaf nehmen oder bereits vorbereitete Wolle unterschiedlicher Sorten und Farben selbst kreativ mischen.  Wenn du auf das Bild hier rechts klickst, kommst du zu einem meiner Youtube Videos, in denen ich zeige, wie das geht.
Diese klienen Vliese nennt man übrigens "Batts" (englische Aussprache 'bätts'), und man kann tolle Sachen damit machen. Eine Möglichkeit ist z.B. Seide oder kleine Baumwollkügelchen mit einzukardieren, eine andere, die verschiedenen Farben so lange zusammenzumischen, bis man die Farbe hat, die man will.

Der Kammzug

Nur die Guten kommen ins Töpfchen

Die beste Art, Wolle zum gleichmäßigen Spinnen vorzubereiten, ist das Kämmen. Das kann man selbst mit zwei großen Wollkämmen machen, oder man kauft fertige Wolle im Kammzug (das ist dann industriell gekämmte saubere Wolle). Wenn du es selbst machen willst, brauchst du ein paar Wollkämme oder eine Wollkammstation. Man spießt hier vorsichtig Wollfasern auf einen Kamm und zieht dann mit dem Zweiten die Fasern auseinander. Das wird mehrmals wiederholt, bis die Wolle die gewünschte Fluffigkeit erreicht hat und Schmutz und Knötchen entfernt worden sind. Beim Kämmen erhält man am Ende die langen Fasern, während die Kurzen in den Kämmen hängen bleiben und aussortiert werden. Gekämmte Wolle ist daher für Anfänger besonders geeignet, denn lange Fasern lassen sich leichter verspinnen als Kurze. Außerdem wird das Garn mit Kammzugwolle gleichmäßiger, weil die Fasern alle in eine Richtung liegen. Es sind also so gut wie kleine Knötchen in der Wolle.

Das Waschen

Nun sprechen alle immer über den Fettgehalt oder Lanolinanteil der Wolle. Daß Rohwolle Fett enthält, ist ja klar, weil sie direkt vom Schaf kommt. Welche Vor- und Nachteile das hat, werde ich hier kurz erläutern:

Wolle, die das Lanolin noch enthält, läßt sich leichter verspinnen als fettfreie Fasern. Das liegt daran, daß das Lanolin die Fasern besser zusammenhält. Sie “flutschen” besser, und der Faden reißt auch nicht so leicht wie bei fettfreiem Rohmaterial. Im Mittelalter war es oft so, daß Oberbekleidung aus Wolle möglichst gar nicht gewaschen wurde, um das Lanolin als natürliche Imprägnierung gegen Nässe zu bewahren. Der mittelalterliche “Regenmantel” roch dann auch entsprechend :o) Um das Lanolin zu erhalten, kann man die Wolle natürlich einfach mit Wasser durchspülen - so gehen andere Verunreinigungen einigermaßen raus, das Fett bleibt aber drin. Nachdem die Wolle versponnen worden ist, sollte man sie (jedenfalls nach unseren heutigen Maßstäben und Erwartungen an die Hygiene) dann doch vom Fett befreien und vernünftig waschen. Dies gilt auch und vor allem dann, wenn man die Wolle anschließend noch färben möchte. Hierfür sollte sie auf jeden Fall fettfrei sein, weil die Fasern sonst die Farbe nicht annehmen können, ist ja logisch. Deshalb ist es auch besser, die Wolle erst zu verspinnen und dann zu färben und nicht umgekehrt.

Ich möchte an dieser Stelle mit ein paar Fehlinformationen bezüglich des Waschens von Wolle mal aufräumen. Es stimmt nämlich zum Beispiel nicht, daß man Wolle nicht heiß waschen darf.Wenn Wolle einläuft und verfilzt, dann liegt es daran, daß sie entweder starken Temperaturschocks unterworfen wurde oder daß sie zu viel Reibung beim Waschen bekommen hat. Wolle verfilzt vor allem durch zu starkes Bewegen beim Waschen, also dadurch, daß die Fasern aneinander reiben. Um nun das Fett (und alles andere) aus der Wolle zu waschen, sollte man sie idealerweise mit Wollwaschmittel zusammen in zunächst kaltes Wasser geben. Das Wasser sollte dann nach und nach erhitzt und die Wolle nur leicht bewegt werden (Reibung immer schön vermeiden). Ab einer Temperatur von ca. 60 ° Celsius löst sich das Fett von den Fasern. Man kann Wolle auch bedenkenlos kochen, so lange man die o.g. Punkte beachtet. Das ist ja auch beim Färben später unvermeidlich.

Beim Spülen sollte man dann auch wieder darauf achten, Temperaturschocks zu vermeiden und nach und nach immer kühleres Wasser hinzugeben. So bleibt die Qualität der Wolle auch erhalten.

Das Schlagen

Nachdem die versponnene Wolle gewaschen wurde, kann man sie noch schlagen, das heißt, man haut sie in noch nassem Zustand mit voller Wucht ein paar mal gegen eine zur Verfügung stehende Fläche (z.B. gegen die Fliesen im Bad). Diese Aktion hat den Sinn, die Fasern wieder flauschiger zu machen.

Artikel erstellt: 25.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 22.03.2017 Author: Flinkhand
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