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Indigo

Das Färben mit Indigo unterscheidet sich von allen anderen hier aufgeführten Färbeversuchen, weil Indigo nicht wasserlöslich ist. Deshalb ist es völlig nutzlos, mit Indigo nach unserem "Schema F" färben zu wollen - man muß hierfür eine Küpe ansetzen und mit Hilfsmitteln arbeiten, die dem Wasser Sauerstoff entziehen.

 

Das hört sich schlimmer an, als es ist. Hier findest du eine Anleitung zum Färben mit Indigo, die gar nicht so schwierig ist, wenn man möglichst genau arbeitet.

Indigo ist ein Farbstoff, der sowohl in der Waidpflanze als auch in der Indigoplanze vorkommt, wobei die Konzentration des Farbstoffs im Waid viel geringer ist. Im Mittelalter wurde der einheimische Waidindigo verwendet, wenn man sich den aus Asien stammenden "indischen" Indigo nicht leisten konnte. Heutzutage gibt es außerdem auch systhetischen Indigo.

 

Beim Kauf von Indigo sollte man darauf achten, daß dieser möglichst dunkelblau ist. Der Farbstoff wird übrigens als Pulver verkauft und ist recht intensiv, wenn man schön dunkelblauen indischen Indigo bekommt.

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Zum Färben brauchen wir also ein paar chemische Hilfsmittel, um den Farbstoff lösen zu können. Wir werden hierfür eine Stammküpe und die eigentliche Küpe ansetzen - und keine Angst, wir arbeiten nicht mit Urin, obwohl auch hier ein gewisser Grad an Geruchsbelästigung nicht zu vermeiden ist...

 

Zum Färben mit Indigo brauchen wir:

 

  • Indigo
  • Wasser
  • Spülmittel
  • 25%ige oder 32% Natronlauge (beides geht)
  • Hydrosulfit
  • Thermometer (ganz wichtig!)
  • Waage
  • Messbecher
  • Handschuhe

 

Dazu kommen natürlich die üblichen Utensilien: Töpfe (ein großer und ein kleiner), Löffel zum Umrühren, Schüsseln für die Wolle.

 

Ansetzen der Stammküpe

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Zunächst wird eine Stammküpe angesetzt, in der der Indigo schonmal gelöst wird. Dafür brauchen wir einen kleinen Topf (aber bitte einen alten Topf, der anschließend nicht mehr zum Kochen verwendet wird!).

Für 500 g Wolle (Trockengewicht) setzen wir wie folgt an:

  1. 600 ml Wasser mit einem Spritzer Spülmittel
  2. 20 g Indigopulver einrühren
  3. 25 ml Natronlauge dazugeben
  4. 30 g Hydrosulfit dazugeben

 

Achtung! Natronlauge ist ätzend, deshalb bitte unbedingt Handschuhe tragen! Außerdem müssen Natronlauge und Hydrosulfit vorsichtig und ohne viel Spritzen dazugegeben werden. Nun wird die Stammküpe möglichst vorsichtig umgerührt. Es soll möglichst kein weiterer Sauerstoff in die Küpe gelangen.

 

Die Stammküpe wird nun auf dem Herd auf exakt 60° erhitzt und dann sofort von der Wärmequelle genommen. Dabei kann man ruhig das Thermometer in der Küpe belassen, weil das Erhitzen bei so einer kleinen Menge Flüssigkeit recht schnell geht.

 

Es ist interessant zu sehen, wie die Flüssigkeit beim Erhitzen blau aufschäumt. Darunter aber bildet sich eine gelbe Flüssigkeit. Wenn das so aussieht wie auf dem Foto, dann ist es eine gelungene Stammküpe. Sie riecht übrigens auch stark nach Raubtierkäfig, weshalb viel frische Luft beim Färben nicht die schlechteste Idee ist. :o)

Die eigentliche Küpe

Die Stammküpe ist nun fertig, und wir können uns der eigentlichen Küpe zuwenden. Man kann das natürlich parallel machen, was gar nicht so dumm ist, weil es ja eine ganze Weile dauert, bis man einen großen Topf mit Flüssigkeit auf die richtige Temperatur gebracht hat. Für die Küpe brauchen wir für 500 g Wolle:

 

  • 20 l Wasser
  • 15 ml Natronlauge
  • 10 g Hydrosulfit
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Das Wasser wird zunächst auf 50°C erhitzt, dann werden Natronlauge und Hydrosulfit vorsichtig dazugegeben. Man kann bei der Wassermenge den Herd jetzt auch ausschalten, da sich die Temperatur im Topf eine Weile hält. Vorsichtig umrühren und darauf achten, daß kein weiterer Sauerstoff in die Küpe kommt.

 

Nun lassen wir das Ganze 20 Minuten ziehen. Danach sollte die Küpe ein wenig trüb aussehen, und es kann sein, daß sich kleine weiße Flöckchen darin gebildet haben. Das ist schon in Ordnung so.

 

Als nächstes geben wir einen Teil (oder auch alles) von der Stammküpe in die Küpe, wobei wir wieder ein bißchen aufpassen müssen, möglichst keinen weiteren Sauerstoff darunterzurühren. Aber natürlich muß ein bißchen gerührt werden, nur vorsichtig eben.

 

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Wir lassen die Küpe jetzt nochmal ca. eine Viertelstunde ziehen und pfüfen ab und zu, ob die Temperatur immer noch auf ca. 50 - 55°C ist - wenn nicht, dann wird einfach wieder ein wenig Hitze drunter gemacht.

 

Wir können uns derweil daran machen, die Wolle naß zu machen. Es ist ja immer besser, wenn die Wolle naß ist, bevor sie ins Farbbad kommt, denn dann kann sie die Farbe gleichmäßiger aufnehmen.

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Die nasse aber ausgedrückte Wolle wandert nun in die Küpe. Wir lassen sie ganz vorsichtig hineingleiten, ohne zu spritzen.

 

Hier in der Abbildung sieht man, daß die Wolle praktisch sofort gelb wird. Keine Panik, es war nicht der falsche Farbstoff - das ist bei Indigo ganz normal. Da die Wolle aber noch recht weit an der Oberfläche ist und fast schwimmt, müssen wir sie ganz tief nach unten in den Topf drücken, wo der Sauerstoffgehalt am geringsten ist. Sie bleibt normalerweise von allein unten.

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Die Wolle bleibt jetzt 20 Minuten in der Küpe - es wird in der Zeit auch nicht umgerührt. Man kann aber einen Deckel auf den Topf machen.

 

Nach diesen 20 Minuten ziehen wir uns Handschuhe an und fischen Strang für Strang aus der Küpe heraus. Dabei ist es gut, die Wolle gleichzeitig auszudrücken (aber nicht so viel spritzen!). Der Effekt dabei ist recht faszinierend, denn die Wolle ist so lange gelb, bis sie mit dem Sauerstoff in Berührung kommt. Erst dann verblaut sie.

 

Damit die Wolle wirklich blau wird, muß sie eine Weile an der Luft sein und Sauerstoff ziehen. Sie wird also am besten irgendwo draußen an der Luft (z.B. auf dem Balkon - im Winter tuts aber auch das Badezimmer) aufgehängt und 20 Minuten dort gelassen. In dieser Zeit kann man schon die zweite Ladung Wolle in die Küpe geben.

 

Wenn nach dieser Zeit noch nicht die gewünschte Farbsättigung erreicht ist, gibt man die Wolle einfach nochmal in die Küpe und macht einen zweiten Zug. Man kann auch mehr Stammküpe hinzufügen, um einen dunkleren Ton zu bekommen.

 

Nach mehreren Zügen sollte man der Küpe auch erneut Natronlauge und Hydrosultit nachgeben, weil der Sauerstoffgehalt natürlich wieder steigt. Es ist auch notwendig, immer mal wieder die Temperatur zu prüfen.

 

Wenn die Wolle die gewünschte Farbe angenommen hat, wird sie gespült und anschließend gewaschen.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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