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Teil 1: Erste Schritte in Doubleface

Die Webtechnik Doubleface oder auch doppelseitiges Weben wird so genannt, weil beim Webvorgang auf der Rückseite das gleiche Muster wie auf der Vorderseite erscheint. Mit dieser Technik kann sich bereits nach einer kurzen Übungsphase auch ein Anfänger zurecht finden, weshalb sie als Einstiegsmethode für Brettchenweber sehr gut in Frage kommt. Erstens wird mit dieser Webtechnik schnell klar, auf welchen Grundprinzipien das Brettchenweben basiert, und zweitens kann man auch sehr leicht selbst Muster entwerfen, sobald man das Prinzip einmal verinnerlicht hat.

Wir verwenden für unser erstes Beispiel eine Webkette, die für jedes Brettchen gleichermaßen aus je zwei hellen und zwei dunklen Fäden besteht, die nebeneinander geschärt sind. Der Schärbrief sieht dann so aus:

schaerbrief_df.gif

Zum Schären einer Kette für das Doubleface bietet sich der Endloseinzug an. Das geht schnell und läßt mehr Zeit für die eigentliche Freude am Weben :o)

Zur Erinnerung:

  • Der Schärbrief definiert den Farbeinzug und die Ausgangsposition der Brettchen mit Angabe der entsprechenden Schärrichtung. Man verwendet ihn zum Vorbereiten der Webkette.
  • Der Webbrief hingegen ist die Anleitung zum Weben eines Musters (dazu später mehr).

Nachdem wir unsere Kette nach dem oben gezeigten Schärbrief vorbereitet haben, werden wir nun unsere Brettchen in die für die bei der Doubleface Technik notwendige Ausgangsposition bringen. Diese sieht wie folgt aus:

Doubleface.jpg

Zunächst werden alle Brettchen in die richtige Ausgangsposition gebracht, so daß alle mit dunklen Fäden geschärten Löcher zu uns und zur Webarbeit hin zeigen, während alle hell geschärten Löcher von uns und der Webarbeit weg zeigen (siehe Abb. oben).

Dies ist die richtige Ausgangsposition zum Weben in Doubleface Technik. Sie gilt nicht nur für unser Beispiel sonder immer, wenn wir Doubleface weben wollen.

Erste Beobachtungen

Schauen wir uns nun an, was passiert, wenn wir mit dem Weben beginnen. Der Schußfaden wird eingelegt. Nun drehen wir alle Brettchen zusammen (inklusive der Randbrettchen) um eine Vierteldrehung vorwärts, so daß alle dunklen Fäden oben und alle hellen Fäden unten sind. Wir prüfen nun wieder, ob das Fach sauber geöffnet ist und helfen ggf. ein wenig nach. Der Schußfaden wird in das neu gebildete Fach eingelegt und in das Fach hineingedrückt, wofür das Webschiffchen sehr hilfreich ist. Das andere Ende des Schußfadens, legen wir nun von der anderen Seite aus auch wieder in das Fach, so daß wir praktisch aus beiden Richtungen kommend einen Schußfaden im Fach haben.

An diesen beiden Schußfadenenden ziehen wir nun vorsichtig aber bestimmt, so daß die Kettfäden an dieser Stelle zusammengezogen werden, bis sie ganz dicht nebeneinander liegen. Sie sollten aber weiterhin neben- und nicht übereinander liegen, also nicht zu viel Kraft aufwenden! Es sollte gerade so viel sein, daß der Schußfaden zwischen den einzelnen Kettfäden nicht mehr zu sehen ist. Nun haben wir bereits ungefähr die Breite, die das Band am Ende haben wird.

Als nächstes drehen wir die Brettchen wieder alle zusammen um eine Vierteldrehung vorwärts, so daß nun alle dunklen Fäden hinten sind. Der Schußfaden wird erneut in das neu gebildete Fach eingelegt, angeschlagen und so fest angezogen, daß er glatt liegt aber das Gewebe nicht weiter zusammenzieht als es schon ist. Es braucht ein bißchen Übung, bis man den Dreh herraus hat und ein Gefühl dafür bekommt, wie fest man ziehen darf. Also bitte nicht sofort verzweifeln, wenn es am Anfang noch nicht ganz gleichmäßig wird. Das wird nach und nach besser.

Kommen wir nun zu unserer nächsten Vierteldrehung vorwärts und machen alles genauso wie bei den ersten beiden Drehungen auch: Brettchen drehen, Fach öfnen, Schußfaden einlegen, Schußfaden anschlagen.

Und nun sehen wir plötzlich, daß sich da etwas bei den Farben ändert: Die helle Farbe kommt an die Oberfläche, weil nun alle hellen Fäden oben und alle dunklen Fäden unten sind! Wir drehen die Brettchen nun um eine weitere Vierteldrehung vorwärts, öffnen das Fach und legen den Schußfaden ein.

Nun sehen wir schon ein erstes kleines Stückchen gewebtes Band mit einem dunklen Querstreifen und einem hellen. Außerdem stellen wir fest, daß die Brettchen nun wieder in der Ausgangsposition sind, in der wir auch mit dem Weben begonnen haben: Alle dunklen Fäden sind wieder vorne, alle hellen Fäden hinten.

Zur Übung werden nun diese vier Vierteldrehungen vorwärts noch zweimal gemacht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Webvorgang funktioniert:

Brettchen um eine Vierteldrehung vorwärts drehen
Fach öffnen
Schußfaden einlegen
Schußfaden anschlagen

Man kann die Übung natürlich auch noch öfter wiederholen, wenn man sich noch nicht ganz eingefummelt hat. Es ist hier aber wichtig, daß die Brettchen am Ende der Übung wieder in ihrer ursprünglichen Ausgangsposition sind, also arbeiten wir immer in Viererschritten und zählen immer vier Vierteldrehungen in eine Richtung.

Nun erhalten wir so langsam ein quergestreiftes Band mit drei dunklen und drei hellen Querstreifen und einem dunklen Rand an beiden Seiten. Allerdings stellen wir auch fest, daß sich die Kettfäden hinter den Brettchen immer mehr um sich selbst verdrillen, so daß die Kette hinter den Brettchen aus lauter einzelnen kleinen Kordeln zu bestehen scheint. Dieses Verdrillen findet übrigens nicht nur hinter den Brettchen statt sondern auch davor - das sieht man aber nicht ganz so schnell, weil diese Verdrillungen nun Bestandteil des gewebten Bandes geworden sind. Dieses Verdrillen ist das typische Merkmal und die markanteste Eigenschaft von brettchengewebten Textilien - es kommt in keiner anderen Webtechnik vor.

Bisher haben wir immer alle Brettchen vorwärts gedreht, und mit jeder Vierteldrehung vorwärts haben sich die Fäden hinter den Brettchen mehr verdrillt. Außerdem können wir jetzt schon folgende Beobachtung machen:

  • Wenn die dunklen Fäden vor der Vierteldrehung vorwärts zum Weber hin zeigen oder oben liegen, wird eine Reihe in der dunklen Farbe gewebt.
  • Wenn die dunklen Fäden vor der Vierteldrehung vorwärts vom Weber weg zeigen oder unten liegen, wird eine Reihe in der hellen Farbe gewebt.

Die letzten beiden Reihen, die wir gewebt haben, waren also zwei helle Reihen. Wir drehen "den Spieß" nun um und versuchen uns mal in Vierteldrehungen rückwärts. Das System ist wie gehabt immer das gleiche, nur daß wir die Brettchen nun alle zusammen (wieder inklusive der Randbrettchen) um eine Vierteldrehung in die andere Richtung drehen, so daß nun alle hellen Fäden wieder oben sind und alle dunklen Fäden wieder unten. Daß nach jeder Vierteldrehung der Schußfaden eingelegt wird, sei von nun an nicht mehr extra erwähnt, es wird aber grundsätzlich immer so gemacht.

Das Weben mit Rückwärtsdrehungen wird nun auch genau zwölf mal gemacht - es werden also insgesamt zwölf Vierteldrehungen (also drei komplette "Runden") rückwärts gewebt, genau wie wir vorher zwölf Vierteldrehungen vorwärts gewebt hatten.

Wir sehen auch jetzt wieder Querstreifen, aber der helle Streifen in der Mitte ist doppelt so breit wie die anderen, weil wir an dieser Stelle die Drehrichtung der Brettchen umgedreht haben. An dieser "Wendestelle" sieht auch der Rand ein bißchen anders aus: Da sieht man auf einmal ein bißchen vom Schußfaden, und die Struktur des Randes ist auch nicht mehr genau die Gleiche. Dazu kommen wir aber später. Derzeit ist erstmal wichtig zu wissen, daß sich da kein Webfehler eingeschlichen hat - es ist alles in bester Ordnung.

Und noch etwas ist zu sehen: Die Fäden hinter den Brettchen sind nicht mehr verdrillt sondern liegen wieder ganz glatt und ordentlich nebeneinander!

Unsere Beobachtungen zeigen:

  • Wenn die dunklen Fäden vor der Vierteldrehung rückwärts zum Weber hin zeigen oder unten liegen, wird eine Reihe in der hellen Farbe gewebt.
  • Wenn die dunklen Fäden vor der Vierteldrehung rückwärts vom Weber weg zeigen oder oben liegen, wird eine Reihe in der dunklen Farbe gewebt.
  • Verdrillte Kettfäden werden durch Drehen der Brettchen in die entgegengesetzte Richtung wieder entzwirnt.

Diese Informationen sind für den Anfang schon mal ganz wichtig, denn wir wissen jetzt, in welche Richtung wir die Brettchen drehen müssen, damit die eine oder andere Farbe im Muster erscheint. Außerdem wissen wir jetzt, wie wir verdrillte Fäden wieder entzwirnen können.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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