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Beinlinge

Beinlinge sind die Vorgänger der Hosen im Mittelalter. Aus heutiger Sicht würde man sie vielleicht eher als lange Strümpfe bezeichnen, da es sich lediglich um zwei einzelne Beinteile handelt, die meist auch ein Fußteil wie ein Strumpf hatten. Für den Gebrauch draußen zog man noch Schuhe oder Stiefel darüber, im Innenbereich aber versah man sie oft direkt mit einer Ledersohle und trug sie schuhlos.

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Sie wurden ausschließlich von Männern getragen. Bis ins 14. Jahrhundert hinein wurden sie mit einem Band (wie ein Strumpfhalter) am Gürtel der Bruche, also der Unterhose, befestigt (siehe Abbildung hier links in blau). Zu dieser Zeit sind reichen sie (hinten) bis in die Mitte der Oberschenkel. Vorn sind sie etwas länger und gehen bis zum Schritt. Um einen besseren Halt zu gewährleisten, wurden oft zusätzlich Kniebänder verwendet, die direkt unterm Knie saßen und die man übrigens hervorragend aus brettchengewebten Bändern herstellen kann.

Als schließlich so um die Mitte des 14. Jahrhunderts das Herrengewand immer kürzer wird, werden die Beinlinge schließlich nicht mehr an der Bruche sondern am Wams befestigt. Zu dieser Zeit werden sie auch länger und haben nun beinahe die Länge einer richtigen Hose. Das heißt, auf der Innenseite reichen sie nun bis zum Schritt, und die äußeren Seiten, wo sie am Wams befestigt werden, gehen ca. bis zum Hüftknochen. Ein weiterer Unterschied zur älteren Ausführung besteht in den nun überlangen und vorne spitz zulaufenden Fußspitzen, die gerade in Mode gekommen waren (siehe Abbildung unten in grün).
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Zu dieser Zeit kommen auch die sogenannten Trippen auf. Dies sind im weitesten Sinne "Holzsandalen", die mit einem Lederriemen zum Hineinschlüpfen versehen sind und ansonsten nur aus einer erhöhten Holzsohle bestehen, die es dem Träger ermöglichen, ohne weiteres Schuhwerk bekleidet nach draußen zu gehen und die Beinlinge dabei nicht zu verschmutzen.

Mach dir keine Illusionen über den Tragekomfort der Beinlinge. Da diese an Bruche oder Wams befestigt sind, ziehen sie beim Bücken und Hinknien natürlich an der Kleidung, und zumindest die Bruche wird dir ab und an verrutschen. Das war eben so. Wenn du aber ein Wams zu den Beinlingen trägst, dann wirst du feststellen, wie umständlich es ist, wenn du mal auf den Topf mußt. Dann wirst du nämlich jedesmal erst die Verschnürung der Beinlinge am Wams öffnen müssen. Doch was tut man nicht alles, hm?

Herstellung

Bei der Herstellung von Beinlingen gibt es eine Reihe von Punkten, die du beachten solltest. Besonders wichtig ist hier zunächst die Auswahl des richtigen Stoffes. Dieser muß möglichst elastisch sein, weil es sonst nicht nur sehr schwierig wird, die Beinlinge überhaupt anzuziehen, sondern sich in ihnen dann auch zu bewegen. Vergiß nicht, daß du dich darin auch immer noch bücken und hinknien können mußt. Aus genau diesem Grund sollten die Beinlinge auch etwas weiter ausfallen, als du es vielleicht von Robin Hood Filmen oder aus der mittelalterlichen (immer idealisierten) Malerei her kennst. Um einem Stoff ein wenig mehr Elastizität zu verleihen, wurden Beinlinge früher im diagonalen Stoffverlauf geschnitten. Heute kann man ziemlich gut schummeln, indem man Stretchstoffe verwendet (die natürlich nicht “A” sind). Gut geeignet sind auch T-Shirt und Nickystoffe, wobei du allerdings darauf achten solltest, daß der Stoff nicht zu dünn ist und ein bißchen was aushält.

Da der Zuschnitt selbst für jeden einzelnen sehr individuell ausfällt, halte ich es für äußerst ratsam, die ersten Beinlinge aus einem billigen Stoff oder einem Rest zu machen. So hast du die Möglichkeit, erst einmal Herumzuprobieren und das Schnittmuster noch anzupassen, ohne dabei einen guten Stoff zu ruinieren. Außerdem solltest du zuerst die Bruche machen, da diese ja unter den Beinlingen getragen wird. Bei der Anprobe solltest du sie natürlich schon tragen, damit du dann auch ein Gefühl dafür bekommst, ob die Beinlinge passen.

Wenn du über deinen Beinlingen Schuhe trägst, was ja gemeinhin der Fall sein wird, rate ich außerdem dazu, das Fußteil einfach wegzulassen und sich mit der hackenfreien Fußschlaufe zu begnügen. Diese solltest du dann auch nicht wie in der Originalabbildung auf der Fußsohle zusammennähen sondern eher an der Seite. (Dafür müßtest du natürlich den Schnitt so ändern, daß du unten ein kurzes und ein langes Stück Fußschlaufe hast.) Dies ist deshalb ratsam, weil es ziemlich unangenehm werden kann, wenn man die ganze Zeit auf einer Naht steht. Wo du dann eine Seitennaht machst (innen oder außen, weiter unten oder oben) hängt von den Schuhen ab, die du dazu trägst. Eine Stelle, die nicht gegen Fuß und Schuh drückt, ist natürlich am besten geeignet.

Ansonsten würde ich sagen, ist der Schnitt selbsterklärend. Die Abbildungen oben zeigen die Beinlinge von der Vorderansicht, die einzelnen Komponenten (2 und 3) sind Sohle und Oberfuß. Die kleinen Kreise oben am Beinling kennzeichnen die Punkte, wo Nestellöcher eingearbeitet werden. Dort wird die Schnur zum Befestigen der Beinlinge an der Bruche bzw. am Wams durchgezogen. Die Nestellöcher kannst du gegebenenfalls noch verstärken, indem du auf der Innenseite der Beinlinge ein zusätzliches kleine Stoffstück (am besten in den Saum) einnähst. Schließlich müssen sie ein bißchen was aushalten können, wenn die Schnüre mal richtig straff gezogen werden.

Artikel erstellt: 25.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 25.03.2007 Author: Flinkhand
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