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Bliaut

Der Bliaut (aus dem Französischen und somit “blioh” ausgesprochen) ist ein Kleidungsstück aus dem 12. Jahrhundert und wenn nicht ein Vorgänger so doch zumindest eine Variante des Surcot. In Deutschland nannte man dieses Kleidungsstück auch blîat. Ursprünglich stammt der Name von einer golddurchwirkten Stoffart, die zur Herstellung des Bliaut verwendet wurde. Mit der Zeit wurde der Name des Kleidungsstückes aber unabhängig vom Material allgemein für diesen Schnitt angenommen. Der Bliaut wird, wie auch der Surcot, über der Cotte, dem Unterkleid, getragen. Im 13. Jahrhundert kam dieses Gewand vollkommen aus der Mode und wurde gänzlich vom Surcot ersetzt.

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Der Zuschnitt des Damenbliaut (hier in der Abbildung links) ähnelt dem des Surcot, weist aber einen gravierenden Unterschied auf. So ist die gesamte Rumpfpartie (unter den Achseln angefangen bis hin zur Hüfte) in Überlänge zugeschnitten, an den Seiten offen und mit Nestellöchern versehen. Mit Hilfe einer Nestelschnur wird das Kleid an den Seiten zusammengezogen und somit enger. Durch die Überlänge und das Schnüren entstehen beim Tragen viele kleine waagerechte Falten in der Rumpfgegend. Wie in der Abbildung unten gezeigt, sieht man durch die Öffnungen an den Seiten, wo die Nestelschnur angebracht ist, den Stoff des Untergewandes (hier in blau abgebildet) durch die Löcher. Ich habe ein solches Kleid noch nicht genäht und werde es für mich wohl auch nicht machen, schon weil die Fältelung am Rumpf sicher nicht gerade die schlanke Linie betont ... Zum Bliaut wurde oft ein z. B. brettchengewebter Gürtel getragen, der zweimal um Taille und Hüfte geschlungen wurde.
Der Damenbliaut reichte normalerweise bis zum Boden und hatte ursprünglich keine Schleppe - diese kam erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts am Hofe auf. Auch war der Bliaut, wenn überhaupt, nur mit einem ganz dünnen Stoff gefüttert. Anders wäre der feine Faltenwurf sonst gar nicht mehr zur Geltung gekommen. Ich rate trotzdem aus rein optischen Gründen, wenigstens die Ärmel zu füttern. Das stört den Faltenwurf am Rumpf nicht, sieht bei den weiten Ärmel aber schöner aus.

Der Halsausschnitt war meist eine Art abgerundeter V-Ausschnitt oder auch ein Rundausschnitt mit einem Schlitz (wie hier beim Herrenbliaut).
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Denn auch Herren trugen den Bliaut, allerdings in einer etwas anderen Form. So reichte der Bliaut vorne und hinten bis etwa zum Schienbein, während er an den Seiten knapp über dem Knie endete. Hierzu muß man sagen, daß der Herr darunter natürlich eine knöchellange Cotte trug, so daß die Beine trotzdem bedeckt waren. Es gab aber auch die knöchellange Variante, die dann unten am Saum gerade geschnitten war. Ein weiterer Unterschied zum Damenbliaut besteht darin, daß die Schnürung nur an einer Seite gearbeitet wurde - die andere Seite war zugenäht. Eine andere Variante ist die Schnürung am Rücken.

Im 12. Jahrhundert waren Borten am Oberarm noch sehr modern. Diese erinnern an die in früheren (heidnischen) Zeiten getragenen Oberarmreifen.
Artikel erstellt: 25.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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