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Kammweben ist kinderleicht

Die Bandweberei mit dem Webkamm unterscheidet sich in einigen Punkten von der Brettchenweberei, wobei sie aber im Grunde genommen eine sehr viel einfachere Technik darstellt. Zum Weben am Gürtel benötigt man lediglich einen Webkamm wie hier rechts abgebildet, ein Webschiffchen, eine Schere, einen Häkelhaken oder eine dicke Nadel sowie Wolle oder ein anderes schönes Garn (und natürlich einen Gürtel, an dem man das Ende der Kette am Körper befestigen kann).



Material zum Kammweben findest du übrigens im Flinkhand Shop!

Betrachten wir nun zunächst einmal den Webkamm: Das hier abgebildete Gerät ist eine sehr einfach nachzubauende Variante, die man leicht mit einer Säge, einem Bohrer und ein wenig Leim herstellen kann. Alternativ kann man ein solches Gerät natürlich auch kaufen (siehe Bezugsquellen). Das hier gezeigte Modell ist 20 cm breit und faßt maximal 33 Kettfäden. (Als Kettfäden bezeichnet man die Fäden, die bereits vor dem Webvorgang aufgezogen werden und durch die dann beim Weben selbst der Schußfaden hin und hergeführt wird.) Je nach Muster und gewünschter Breite des Bandes werden diese Kettfäden immer abwechselnd jeweils durch ein Loch und dann durch einen Schlitz des Webkammes gefädelt. Da dieser Kamm 17 Löcher und dazwischen 16 Schlitze aufweist, kann man also bis zu 33 Kettfäden aufziehen.

Um ein Muster graphisch darzustellen, also einen Musterbrief zu erstellen oder zu lesen, bedient man sich einer einfachen Technik. Es gibt sicher mehrere Möglichkeiten der Darstellung; hier eine einfache Variante:

kamm_muster01.jpg

Wir haben hier zwei Reihen mit farbigen Kästchen, wobei beide Reihen ein wenig versetzt zueinander sind. Diese beiden Reihen stehen für die Löcher (17 Kästchen - Zeile 1) und die Schlitze (16 Kästchen - Zeile 2). Die Farben stehen natürlich für die Farben der Kettfäden. Natürlich gibt es eine Vielfalt an Mustervarianten, die man verwenden kann, und dies ist nur ein Beispiel. Man kann in dem oben gezeigten Webbrief auch bereits erkennen, wie das Muster am Ende aussehen wird. Wenn wir davon ausgehen, daß sich die Farben von Zeile eins und Zeile zwei immer abwechseln, bekommt man schon eine gute Vorstellung. Ich habe hier die beiden Zeilen noch einmal wiederholt dargestellt, so daß man das Muster, das entstehen wird, bereits schematisch erkennen kann. Daneben sieht man das anschließend gewebte Muster:

kamm_muster01a.jpg kammegewebe01a.jpg

Doch kümmern wir uns zunächst um die Frage, wie man die Kette (also die Summe aller Kettfäden) zum Weben vorbereitet.

Zuerst werden die Kettfäden geschnitten. In unserem Beispiel oben benötigen wir 16 Fäden der Farbe “X” und 17 Fäden der Farbe “O”. Welche Farben man verwendet, hängt vom eigenen Geschmack ab. Am besten kommen die Farben aber zur Geltung, wenn sie einen deutlichen Kontrast bilden (also möglichst eine helle und eine dunkle Farbe).

Die benötigte Länge der Kette setzt sich aus einer einfachen Rechnung zusammen, mit der man eine bestimmte Länge des Webbandes erreicht:

Wunschlänge des Bandes + 20 % + 60 cm

Wenn das Band also einen Meter lang werden soll, brauchen wir 1 m + 20 cm + 60 cm = 1,80 m

Diese Länge wird in der Form berechnet, weil die Kette beim Weben “schrumpft”, d.h. die verwebten Fäden folgen einer leichten Wellenbewegung, die die Gesamtlänge des Bandes verkürzen. Das sind die o.g. 20%. Dazu kommen weitere 60 cm, die benötigt werden, weil man für die Bewegung des Webkammes ein wenig Platz braucht und weil an beide Enden der Kette ein Knoten gemacht wird.

Zum Zuschneiden der Kettfäden kann man sich einer Tischplatte bedienen, um die man die entsprechende Anzahl an Kettfäden wickelt und anschließend durchschneidet. Alternativ eignen sich auch Schraubzwingen oder zwei andere Fixpunkte, um die man den Faden in der gewünschten Länge wickeln kann.

Nun wird jeder einzelne Kettfaden wie oben im Musterbrief angegeben, durch Loch oder Schlitz im Webkamm gefädelt. Dafür kann man eine Nadel oder auch einen Häkelhaken verwenden, um die Fäden leichter durch die Öffnungen zu bekommen. Wenn man nicht alle zur Verfügung stehenden Löcher und Schlitze für ein Muster verwenden möchte, bietet es sich an, in der Mitte des Kammes mit dem Einfädeln zu beginnen. So geht man sicher, daß der Webkamm am Ende gut ausbalanciert in der Kette hängt, ohne in die eine oder andere Richtung zu kippen. Wenn alle Fäden durch den Kamm gefädelt worden sind, macht man am Ende einen dicken Knoten bestehend aus allen Fadenenden. Diesen Knoten befestigt man nun an einem festen Punkt (z.B. Heizkörper oder Türgriff). Die Fäden am anderen Ende des Kammes sind nun noch unordentlich verheddert, was wir erst beseitigen müssen, bevor wir auch auf der anderen Seite einen Knoten machen. Hierfür müssen die Fäden also entwirrt werden. Das geht am besten, indem man die Kette straff hält und Stück für Stück den Webkamm immer weiter zu sich hin zieht. Dort wo sich die Fäden verheddern, muß man sie entwirren, bis schließlich fast das Ende der Kette erreicht ist. Vorsicht! Wer zu weit zieht, dem fallen die Fäden hinten aus dem Webkamm heraus, also immer schön sachte! Hat man das Ende der Kette erreicht, sollte man zunächst dafür sorgen, daß alle Kettfäden möglichst die gleiche Spannung aufweisen. Es ist nicht gut, wenn ein paar Fäden locker herunterhängen, während andere sehr straff gespannt sind. Wenn das kontrolliert ist, wird auch an diesem Ende ein Knoten gemacht. Die Kette ist fertig!

Bevor wir nun mit dem Weben beginnen können, brauchen wir noch einen Schußfaden. Als Schußfaden verwendet man normalerweise immer einen Faden in der Farbe, die auch die beiden Randfäden der Kette haben, in diesem Fall also Blau. Der Faden kann aus dem gleichen Knäuel genommen werden und muß keine andere Qualität aufweisen als der Kettfaden. Der Schußfaden wird nun auf das Webschiffchen aufgewickelt. Keine Angst, es darf reichlich sein. Wenn es am Ende doch zu wenig sein sollte, kann man jederzeit noch einen neuen Schußfaden einweben, das ist also auch kein Problem. Wenn wir genug Schußfaden auf das Schiffchen gewickelt haben, schneiden wir ihn ab und holen uns noch ein kürzeres Stück Faden in einer völlig anderen Farbe (z.B. Rot) und wickeln es auch noch auf das Schiffchen. Mit dem roten Faden fangen wir nämlich an, bis Muster und Bändchenbreite sauber und gleichmäßig erscheinen. Erst wenn dies der Fall ist, nehmen wir den eigentlichen Schußfaden. Dann kann man nämlich zum Schluß den roten (gut sichtbaren) Faden ziemlich einfach heraustrennen und man bekommt einen sauberen Anfang. Das Anweben funktioniert auch mit anderen Hilfsmitteln, wenn man anstelle eines Fadens kleine Stöckchen (Zahnstocher o.ä.) nimmt, aber ich finde die Lösung mit dem andersfarbigen Schußfaden für mich am besten. Ist der Schußfaden fertig aufgewickelt, befestigen wir das eine Ende der Kette am Gürtel unserer Hose. Es kann helfen, wenn man hierfür eine Kordel oder eine feste Schnur verwendet, damit sich das Ende auch unter Spannung nicht löst. Hier oben im Bild sieht man zwar eine Brettchenweberin und keine Kammweberin, aber das Prinzip ist das Gleiche - so hat der Anfänger vielleicht eine Vorstellung davon, wie die Sache aussehen muß (man braucht sich ja nur anstelle der Brettchen den Webkamm vorzustellen). Der abgebildete Holzhalter ist übrigens nicht zwingend notwendig, denn wir haben ja einen Gürtel.

Gewebt wird, indem man den Schußfaden in das Fach einlegt. Beim Kammweben entsteht ein Fach durch Heben des Kammes (Fach 1) oder durch Hinunterdrücken des Kammes (Fach 2). Es ist hierbei sehr wichtig, daß die gesamte Kette unter Spannung steht. Nicht zu locker, sonst öffnet sich das Fach nicht ordentlich, weil alle Fäden locker herumbaumeln, aber auch nicht zu fest, sonst kann man den Kamm nicht mehr gut heben und senken.

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Auf der Abbildung hier links sieht man, wie der Webkamm angehoben wird und Fach 1 sich öffnet. Die Fäden, die durch die Löcher verlaufen, sind oben, während die, die durch die Schlitze führen, unten sind. Zwischen den oberen und den unteren Fäden bildet sich ein sogenanntes Fach. Durch dieses Fach führt man das Webschiffchen mit dem Schußfaden, bis nur noch ca. 10 cm Schußfaden an der einen Seite heraushängen. Der Schußfaden wird möglichst fest angedrückt. Dafür kann man das Webschiffchen verwenden.

Im zweiten Schritt wird jetzt der Webkamm hinuntergedrückt, wie man hier rechts gut sehen kann. Nun sind die Fäden in den Löchern unten, die Fäden in den Schlitzen dagegen oben. Das Webschiffchen wird nun durch dieses neue Fach geführt und der Schußfaden möglichst fest angedrückt und festgezogen. Der Schußfaden sollte so fest angezogen werden, daß keine Lücken mehr zwischen den Kettfäden zu sehen sind und der Schußfaden selbst gar nicht sichtbar wird. Man sieht ihn nur ein wenig am Rand des Bandes. Die optimale Breite hat das Band also, wenn man im Gewebe nur noch die Kettfäden sieht, die gerade auf der Oberseite erscheinen. Wenn man lockerer arbeitet, bekommt man eine lose Leinwandbindung und das Muster kommt nicht so gut zum Vorschein. Nun werden diese beiden Schritte wiederholt, Kamm heben, Schußfaden einlegen, Kamm senken, Schußfaden einlegen usw.

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Es braucht ein bißchen Übung, bis das Band auf diese Weise eine gleichmäßige Breite bekommt. Also nicht verzagen, sondern einfach weiter üben! Der Schußfaden sollte an den Seiten keine “Knötchen” oder “Beulchen” bilden sondern beinahe im Gewebe selbst verschwinden. Dann hat man es richtig gemacht. Außerdem ist es wichtig, immer die Spannung zu halten. Ggf. ist es ratsam, sich auf einen Stuhl mit Rollen (z.B. Bürostuhl) zu setzen, weil man so die Spannung besser justieren kann.

Nachdem man so einige Zentimeter gewebt hat, wird man feststellen, daß einem die Arme lang werden, weil sich der Kamm ja immer weiter nach hinten bewegt, je weiter vorn das Gewebe entsteht. Dann kann man den Knoten vom Gürtel abmachen und stattdessen ein Stück vom fertigen Band um den Gürtel wickeln. Nach und nach zieht man so das fertig werdende Band durch den Gürtel und arbeitet sich immer weiter vor, bis das Band fertig ist und man den Kamm nicht mehr ordentlich bewegen kann. Nun wird einfach das Ende der Kette abgeschnitten und der Schußfaden vernäht. Es ist auch möglich, die langen Enden der Kettfäden als Abschluß zu verarbeiten, anstatt sie kurz abzuschneiden

Artikel erstellt: 23.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 22.03.2017 Author: Flinkhand
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