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Geschichte

Die Frage, seit wann es die Weberei mit Hilfe eines Webkammes in der Geschichte gab, werde ich hier nicht beantworten können. Im Gegensatz zu anderen textilen Techniken, die sich an der Struktur eines Gewebes erkennen lassen, ist dies nämlich anhand des erzielten Ergebnisses mit dem Webkamm leider nicht nachweisbar. Tatsächlich kann ein mit Hilfe eines Webkammes entstandenes Gewebe nämlich genauso gut in einer anderen Webart wie z.B. an einem Gewichtswebstuhl entstanden sein, denn die sich herausbildende Struktur ist eine wenn auch recht fest gearbeitete Leinwandbindung. Unter Leinwandbindung versteht man, daß ein waagerecht laufendender Faden, der sogenannte Schußfaden, immer abwechselnd unter und über eine Reihe von vertikal laufenenden Fäden (den Kettfäden) hindurchgefädelt wird. Diese Bindungsart ist wohl die einfachste und älteste Technik überhaupt, und kann mit allerlei Hilfsmitteln erzielt werden. Man kann also nicht eindeutig sagen, ob ein Gewebe mit Hilfe eines Kammes oder z.B. eher unter Verwendung eines Litzenstabes gefertigt wurde. Das macht die Analyse von Textilfunden in bezug auf die Kammweberei recht schwierig.

Bisher ist mir lediglich ein einziger Fund von einem Webkammfragment unter gekommen: J.P. Wild, Universitätsprofessor in Manchester (UK) hat in seinem Buch “Textiles in Archeology” eine Abbildung eines solchen Fragments veröffentlicht, das er auf die römische Besatzungszeit in Britannien datiert hat. Nun mag man aus diesem Fund seine eigene Interpretation ableiten. Entweder man geht davon aus, daß es Kammweberei mindestens seit der Römerzeit gab, oder man mag vermuten, daß es sich hierbei um einen Ausnahmefund handelt, der noch längst nichts über die Verbreitung dieser Technik in Mitteleuropa aussagt.

Auf der Abbildung oben aus dem Codex Manesse sieht man außerdem eine Brettchenweberin, die ebenfalls mit einer Art Kamm arbeitet. Nun ist auch dies Interpretationssache, denn dieser Kamm kann genauso gut lediglich zum Trennen der einzelnen Kettfäden hergehalten haben. Es wird sich hier wohl kaum um eine Webarbeit in beiden Techniken, also Kamm- und Brettchenweberei in einem gehandelt haben (wäre wohl auch ziemlich schwierig umzusetzen). Andererseits ist das Mittelalter aber auch für die Symbolträchtigkeit seiner Bilder bekannt, was ja vielleicht darauf schließen läßt, daß die Weberin beide Techniken beherrschte. Ja, ich weiß, das ist jetzt reine Spekulation...

Wie auch immer, die sich daraus ableitenden möglichen Interpretationen kann man nun diskutieren. Ich für meinen persönlichen Teil finde, daß ein solches Fragment von J.P. Wild aus einer Zeit, in der die römische Streitmacht ganz Europa überflutete, sehr wohl Grund genug dafür ist, einen Webkamm als Re-enactor verwenden zu “dürfen”, aber das sei wie gesagt jedem selbst überlassen. Alternativ kann man ja immer noch zu Hause damit arbeiten und die Ergebnisse auf einem Mittelalterevent tragen, denn andere Webtechniken, mit denen man die gleichen Ergebnisse erzielen kann, gab es ja bereits.

Artikel erstellt: 23.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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