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Spinnen

Das Spinnen von Naturfasern zu Fäden ist eine der ältesten Techniken der Menschheit. Obwohl über die genauen Anfänge des Spinnens nichts bekannt ist, wurde es laut Karl Schlabow (siehe Literaturhinweise) bereits in der Steinzeit praktiziert. Man findet auch im Museum für Vor- und Frühgeschichte (z.B. in Berlin) bereits Funde von Spinnwirteln sowie Gewebereste aus Wolle aus der Jungsteinzeit. Wie aus Naturfasern wie Wolle, Flachs oder Seide Fäden und Garne entstehen, wird in dieser Sektion genauer beschrieben. Die Faszination, aus Schafwolle einen Faden zu spinnen, und sozusagen vom Schaf zum Gewand alles selbst zu machen, läßt mich inzwischen nicht mehr los. Es ist ein herrliches Gefühl, selbst gesponnene Wolle zu verarbeiten statt sie zu kaufen.

Wie bereits erwähnt, ist der Vorgang des Spinnens bereits seit der Steinzeit bekannt. Daß sich Fasern zu Fäden drehen und dann zu Tuch verweben lassen, haben die Menschen also bereits sehr früh, nämlich von der Zeit an, wo es textile Kleidungsstück gibt, entdeckt. Wie die Spindeln zu Anbeginn der Zeit ausgesehen haben, kann man sich in vielen Museen anschauen. Die Form des Spinnwirtels hat sich über die Jahrtausende nicht verändert. Es sind beispielsweise für das um 1200 n.Chr. entstandene Dorf am Machnower Krummen Fenn, das in Berlin als Museumsdorf Düppel heute teilweise wieder aufgebaut wurde, Funde belegt, die die Verwendung von Handspindeln mit kleinen Tonwirteln nachweisen.

Das Spinnen war bereits sehr früh eine Tätigkeit, die von allen Frauen, egal welchen Standes, ausgeführt wurde. Da es eine recht langwierige Technik ist, mit einer Handspindel zu arbeiten und eine ausreichende Menge an Garn zu produzieren, kann man davon ausgehen, daß Frauen diese Tätigkeit sehr häufig und überall, wo es möglich war, ausgeübt haben. Auch adelige Damen waren hier nicht ausgeschlossen. Man kann sich also gut vorstellen, daß die Bauersfrau auf dem Weg zu den Feldern die Handspindel mitnahm, ebenso wie die adelige Dame zu Pferde mit dem ständig reisenden Hofstaat von Pfalz zu Pfalz wohl dieser Tätigkeit auch hoch zu Ross nachging. Die Handspindel war also bis weit in das Mittelalter hinein das einzig bekannte Gerät zum Verspinnen von Fasern. Wenn man sich vor Augen führt, daß in Europa seit ungefähr dem 10. Jahrhundert vermehrt Städtegründungen stattfanden, die mit der Bildung von Handwerksbetrieben, Gilden und Zünften einhergingen und einen Teil der bäuerlichen Heimarbeit in die Vorindustrialisierung führten, kann man sich den Arbeitsaufwand vielleicht vorstellen, den die Wollmacher aufbringen mußten, um genug Wolle für die Tuchmacherindustrie zu produzieren.

Schließlich wurde das Spinnrad in einer der Zunftvorschriften der Stadt Speyer im Jahre 1298 zum ersten Mal erwähnt. Es war ein noch mit der Hand angetriebenes Rad (ohne Trittvorrichtung), das mit einer Hand gedreht wurde, während die andere Hand die Wolle versponn. Die Ersterwähnung des Spinnrades in einer Zunftvorschrift läßt vermuten, daß dieses Gerät auch bereits vor dieser Zeit schon seit längerem bekannt war und bei den Wollmachern zum Ende dieses Jahrhunderts eine Verbreitung kannte, die diese gegenüber den traditionell noch mit der Handspindel arbeitenden Wollmachern direkt Konkurrenz zu machen begann. Daher kann man davon ausgehen, daß das Spinnrad schon vor dem genannten Datum in Deutschland zumindest in den Städten bekannt und verbreitet war.

Mit der Industrialisierung hatten die Frauen dann auch erstmal überhaupt keine Lust mehr auf die langweilige Pflichtübung des Spinnens, und Spinnräder wurden auf die Dachböden und in die Keller der Häuser verbannt.

Seit einigen Jahren ist das Thema aber wieder richtig aktuell, weil Handarbeiten inzwischen nicht mehr eine lästige Pflicht sondern ein entspannendes und kreatives Hobby geworden sind. Es geht jetzt nicht mehr darum, Leinen für die Weißwäsche zu spinnen sondern neue Sachen auszubprobieren, wie zum Beispiel das Zusammenspiel unterschiedlicher Fasern und Farben und verrückte Garne für ausgefallene Klamotten selbst herzustellen. Die Spinner-Community wird immer größer, schon weil sich mit modernen Spinnrädern und dem Zugang zu weltweit produzierten Fasern eine bunte und sehr kreative Welt eröffnet, die immer mehr Leute in den Bann zieht.

Artikel erstellt: 25.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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