02.jpg
flinkhand Derzeit hat Flinkhand
1 Besucher

Über Mustertücher

Im Haushaltsbuch der Königin von York von 1502 wurden erstmals Aufzeichnungen gefunden, in denen ein Mustertuch erwähnt wird. Dort wurde eine Elle Leinentuch “for a sampler for the Queen” (für ein Mustertuch für die Königin) gelistet. Das englische Wort für Mustertuch (sampler) stammt von dem lateinischen Wort für Beispiel: Exemplum. Und genau darum ging es bei der Herstellung von Mustertüchern: Sie dienten als Übung für die einzelnen Stiche und als “Merkzettel”, auf den sich die Stickerin ihr ganzes restliches Leben lang beziehen konnte.

Viele Mustertücher wurden von sehr jungen Mädchen im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren als Erstlingswerke ausgearbeitet. Dies ist erstaunlich, wenn man sich die Qualität der Werke aus der Zeit ansieht, die bereits einem sehr hohen Standard entspricht. Wer nun denkt, Mustertücher wurden von jeher im Kreuzstich gearbeitet, der irrt sich. Es wurden alle Sticharten aus der jeweiligen Zeit verwendet und die jeweils regional üblichen Motive abgebildet.

So findet man beispielsweise auf einem italienischen Mustertuch von 1580, das heute im Besitz des Berliner Kunstgewerbemuseums ist, hauptsächlich typisch italienische Motive im Holbeinstich. Die älteren uns bekannten Tücher zeigen auch viele Beispiele für Bortenstickereien in den verschiedensten Varianten. Es wurden Plattstich, Rückstich, Stielstich, Kettenstich und viele andere Stiche verwendet, also alle Stiche, die die Stickerin üben wollte.

Den Einzug des Kreuzstichs in die häusliche Stickerei kann man auch wunderbar anhand der Mustertücher dokumentiert finden. Von 1651 ist eines erhalten geblieben, auf dem die gleichen Blumenmotive einmal im Kreuzstich, dann aber auch wieder in den älteren Stichen wie Plattstich, Holbeinstich und Spaltstich zu sehen sind, was einen Vergleich der Stilrichtungen sichtbar macht.

Von da an finden wir auch die noch heute üblichen Alphabete und immer wiederkehrende oft christliche Symbole auf den Mustertüchern wieder. Alphabete und Zahlen wurden für die Erstellung von Monogrammen und Jahreszahlen auf Stickereien häufig verwendet. Sie halfen der gemeinhin des Lesens und Schreibens nicht mächtigen einfachen Bevölkerung aber auch, Buchstaben zu identifizieren (siehe auch Exemplum Samplers).

Mustertücher waren also Übungstücher und beinhalteten ursprünglich viel mehr als nur den Kreuzstich. Da sie als Referenz für das spätere Hausfrauenleben dienten, wurden sie meist von Generation zu Generation vererbt und sorgfältig aufbewahrt.

Einige hiervon kann man u.a. im Deutschen Stickmuster-Museum in Celle bewundern. Das Victoria & Albert Museum in London soll die heute größte und interessanteste Sammlung an Exponaten haben, aber natürlich sind auch Exemplare in vielen anderen Museen ausgestellt. Heute sind die meisten Mustertücher hauptsächlich im Kreuzstich gehalten. Er erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit und besticht durch seine Gleichmäßigkeit, die man auch als Anfänger ohne Schwierigkeiten erreicht, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet.

Artikel erstellt: 25.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
valid-xhtml valid-css valid-rss get Firefox get phpwcms PageRank Checking Icon