Brennöfen

Vom Tongewicht für den Gewichtswebstuhl über den Tonwirtel für die eigene Spindel bis zum Kugeltopf - hier wird getöpfert!

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Re: Brennöfen

Beitragvon Glaskocher » 09.08.2021, 22:04

Hier mal etwas Theorie zum Ton Brennen:

Ton enthält viel Wasser, wenn er plastisch ist. Selbst lufttrockener Ton hat noch enorme Mengen Wasser an den Tonmineralen adsorbiert. Dazu kommt noch das Wasser, das beim eigentlichen Brennprozess "erzeugt" wird. Aus einem Liter Wasser werden zwei KUBIKMETER Dampf bei 100°C. Dieser Volumernzuwachs muß in Form von Gas aus den feinen Poren heraus kommen, ohne das Gefüge des Scherbens zu zerstören. Sonst knallt es und das Getöpferte kann direkt zerstoßen und zur Magerung der nächsten Produktion verwendet werden. Alternativ ist zerstoßener Scherben ein gern gesehener Zuschlag im Mörtel.

Jetzt heißt es, zuerst das Getöpferte im Schatten gut zu trocknen und dann vorsichtig zum Brennort oder Ofen zu tragen. Am Gewicht merkt man, daß schon viel Wasser verdunstet ist. Beim Anheizen gibt es einige wichtige Temperaturen: Den Siedepunkt des Wassers, das Ende der Desorption von Kristallwasser, das eigentliche Brennen des Scherbens und zuletzt der Sinterbeginn.

Zuerst muß man sehr langsam anheizen und dem Porenwasser Zeit geben, heraus zu diffundieren. Man heizt mit wenig Brennstoff und viel zusätzlicher Luft. Jetzt heißt es Geduld zu bewahren, da zu rasches Erhitzen die Ware zerstören kann. erst wenn das Porenwassser verdunstet ist darf langsam schärfer geheizt werden. Das Kristallwasser wird von den Mineralen desorbiert (immer noch reversibel). Ab der ersten sichtbaren dunklen Rotglut des Scherbens beginnt der eigentliche Brennvorgang. Man darf jetzt etwas rascher aufheizen. Die Tonminerale beginnen mit ihren Oberflächen zu "verwachsen", indem die an ihren Oberflächen befindlichen OH-Gruppen unter Wasserabspaltung miteinander reagieren. Jetzt sollte man wissen, wie heiß der Ton maximal gebrannt werden darf, ohne durch Sintern seine Form zu verlieren. Bis knapp unter diese Temperatur darf man weiter heizen und sollte einige Zeit dabei halten. Wenn der Ofen gut isoliert, dann läßt man das Feuer bei verminderter Luftzufuhr ausbrennen und verschließt Abzug und Schürkanal, daß kaum noch Zug im Ofen ist. Dann abwarten, bis der Ofen gut abgekühlt ist und man mit bloßen Händen den Schürkanal öffnen und hinein greifen kann. Dann darf der Ofen geöffnet und ausgenommen werden.


Interessante Links:
https://www.hausjournal.net/ton-zuhause-brennen
http://www.axelsteinbach.de/tech/text-tech-feldbrand.htm
http://www.goldgrubenkeramik.de/ihr-vorteil/feldbrand/
https://www.campus-galli.de/portfolio/toepferofen-der-erste-brand/
[url]https://mittelalter.fandom.com/de/wiki/Töpferofen[/url]
https://www.anleitung-zum-toepfern.de/was-ist-holzbrandkeramik/
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