Pottasche selbst hergestellt

Wie man Seife selber macht und wie man gute Düfte da hineinbekommt.

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Pottasche selbst hergestellt

Beitragvon Glaskocher » 01.02.2022, 21:12

Hallo Freunde der Seifensiederei und anderer Nutzungen von Pottasche!

Hier mal eine Möglichkeit, um an Pottasche zu kommen:
Man braucht 6-8 Eimer (10L, Plastik, z.B. vom Schnellbräter) und flachere Kunststoffgefäße, sowie eine Möglichkeit zum Filtrieren. Dazu Regenwasser und einen Rührstab. Nicht zu vergessen ist eine "Wintermenge" an Holzasche, die arm an Kohle und Nägeln sein sollte. Die Asche sollte möglichst von Hartholz sein und nicht aus behandeltem Material, das sie verfärbt.

Zuerst füllt man in 4-5 Eimer jeweils 5 Liter Asche und gibt in den Ersten so viel Wasser, daß man noch gut umrühren kann ohne überzuschwappen. Dann läßt man absitzen und gießt den klaren Überstand durch ein Sieb in den zweiten Eimer. Der erste Eimer wird wieder aufgefüllt und gut gerührt. Nach erneutem Absitzen des Ungelösten wird der zweite Eimer aufgefüllt und gerührt, sowie der Erste erneut nachgefüllt und gerührt. Auf diese Weise wird jetzt der dritte Eimer befüllt (immer das benötigte Wasser "durch" die vorigen Eimer schleusen) und dann der Vierte (Fünfte). Dieses häufige Nachwaschen bewirkt, daß man einen sehr hohen Anteil der löslichen Bestandteile extrahiert und später nutzen kann. Man siebt die Überstände immer dann, wenn noch Kohlestücke darauf schwimmen.

Aus diesem letzten (fünften) Eimer wird der erste und zweite Überstand des letzten Einers gesondert aufgefangen. Wenn die Aschevorräte für weitere Eimer reichen wird wie oben beschrieben ein frischer Eimer mit Asche befüllt und mit den nächsten Portionen Wasser aufgefüllt. Der ausgelaugte Inhalt des ersten Eimers kann dann zum Kalken im Garten genutzt oder nach dem Trocknen anderweitig entsorgt werden.

Jetzt ist es sinnvoll, die recht konzentrierte Lösung zu filtrieren, um letzte Asche- und Kohlereste los zu werden. Wenn man sie jetzt auf flache Gefäße (z.B. 1L Schachteln) verteilt, dann vergrößert sich die Oberfläche und überschüssiges Wasser verdunstet rascher. Es ist vortielhaft, wenn man immer dann, wenn der Pegel in den Gefäßen gesunken ist, die Lösung in Richtung von einem Gefäß (Nummer 1 in der Reihe) umverteilt. In diesem ersten Gefäß konzentriert sich das Salz auf, während in den nachgefüllten "hinteren" Gefäßen die verdünntere Lösung leichter verdunstet. Zu irgendeinem Zeitpunkt beginnen im ersten Gefäß Kristalle zu wachsen, die etwas an Zuckerkristalle erinnern. Ab diesem Zeitpunkt wird nicht mehr nachgegossen, sondern abgewartet, bis der Pegel kaum noch sinkt und die Kristalle nicht mehr wachsen. Dann kann von den Kaliumsulfat-Kristallen (K2SO4) abgegossen werden. Die jetzt recht konzentrierte Lösung enthält hauptsächlich Kaliumcarbonat und läßt sich nur bei Luftfeuchten unterhalb von 50%rel zur Kristallisation bringen. Dann kristallisiert wasserhaltiges Kaliumsulfat (mit 1,5 Molekülen Kristallwasser je K2CO3) aus. Wenn diese Lösung längere Zeit an Luft und Sonne steht bilden sich große rechteckige Kristalle von Kaliumhydrogencarbonat.

An dieser Stelle hat man die Möglichkeit, die Rohlösung zu nutzen, wenn man den Gehalt über eine Dichtebestimmung und Dichtetabellen ermittelt. Damit kann man Schmierseife nach alter Art sieden. Man kann die Rohlösung in einem Kochtopf (Aluminium und Emaille werden zerstört) weiter einkochen, um trotzdem den Feststoff zu bekommen. Der läßt sich dann einfacher einwiegen, wenn er aus kristallinem Kaliumcarbonat-sesquihydrat besteht. Alternativ kann man im Sodastream "Kohlensäure" machen und sie zur konzentrierten Lösung geben. Man braucht allerdings recht viel dieser "Kohlensäure", da sich CO2 nur mäßig in Wasser löst. Wenn man danach erneut durch Verdunsten einengt, dann wachsen große rechteckige Kristalle aus Kaliumhydrogencarbonat. Wenn man letzteres nochmal aus sauberem Wasser umkristallisiert, dann fällt es sehr sauber an und kann (vermutlich) zu Speisezwecken genutzt werden (Backtreibmittel).


In der Literatur wird oft beschrieben, daß die Asche mit heißem Wasser extrahiert werden soll und die Suspension dann filtriert wird. Da dieses Vorgehen zwar etwas rascher zum Rohextrakt, benötigt aber mehr an Energie und Material. Außerdem vermute ich, daß bei einmaliger Extraktion noch zu viel Restextrakt in dem feuchten Filterkuchen verbleibt.

Bei mir ist im Moment das Verdunsten der Rohextrakte der begrenzende Faktor für höheren Umsatz. Da ich aber keinen Strom zum Einkochen der Lösungen nutzen will bleibt das bis auf Weiteres auch so. Dieser Text beschreibt nur den Idealfall, es kann vorkommen, daß die Extrakte sehr stark gefärbt sind und weitere Reinigungsoperationen nötig sind.
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