16.jpg
flinkhand Derzeit hat Flinkhand
1 Besucher

Die Spannung der Kettfäden

Beim Brettchenweben haben wir relativ oft das Problem, daß die Kettfäden nicht alle die gleiche Spannung haben - das passiert aus mehreren Gründen entweder bereits beim Schären oder aber auch nachdem schon ein Stück gewebt wurde. Hier findest du ein paar Vorschläge, wie man Abhilfe schaffen kann.

Worauf man schon beim Schären achten sollte

Natürlich ist es sinnvoll, gleich beim Schären der Kette auf eine gleichmäßige Spannung der Kettfäden zu achten, damit sich nicht irgendwo zwischendurch lockere Kettfäden einschleichen. Nun habe ich aber die Erfahrung gemacht, daß "wie durch ein Wunder" auch bei zunächst gleichmäßiger Spannung die Kettfäden nach dem Schären auf der einen Seite etwas straffer sind als auf der anderen.

Das hat natürlich mit "Wunder" nichts zu tun sondern liegt oft daran, daß die Bolzen der Webstühle, die ja aus Holz sind, unter der Spannung der Fäden meist ein wenig nachgeben und dann nicht mehr zu 100% im rechten Winkel liegen. Sie biegen sich unter dem Druck. Auch der beste Webstuhl ist davon nicht ausgeschlossen, auch wenn man das mit bloßem Auge nicht immer sehen kann. Der Weg der Fäden um die Bolzen herum ist also länger, wenn der Faden ganz nah am Anfang des Bolzens (da, wo er verleimt ist) entlang geht - am anderen Ende des Bolzens ist er kürzer, weil sich der Bolzen unter der Spannung der Kette ein wenig "nach innen neigt".

Diese kleine Veränderung wirkt sich natürlich auf die Spannung der Kette aus - besonders, wenn man die Kette nach dem Schären ein Stück weiter zieht. Dann ist es nämlich meist so, daß die Kettfäden nicht mehr genau an der gleichen Stelle über die Bolzen verlaufen, an der sie beim Schären lagen. Und so kommt es dann oft vor, daß die Fäden, die beim Schären direkt am Anfang des Bolzens lagen, nun weiter in die Mitte des Bolzens wandern, wo sie einer leicht anderen Spannung (nämlich etwas weniger) ausgesetzt sind.

Um das auszugleichen, muß man nun die Kettfäden auf den Bolzen so verteilen, daß die Spannung wieder stimmt. Man kann auch direkt beim Schären daran denken, daß die Kettfäden beim Weben weiter in die Mitte und nach außen rutschen, und das gleich von Anfang an mit einplanen.

"Ausreißer einfangen"

Nun kommt es aber auch vor, daß trotz aller Vorsicht beim Schären mal der ein oder andere Kettfaden zu locker ist. Dies ist besonders beim Arbeiten mit Leinengarn ab und zu der Fall, weil Leinen im Gegensatz zu Wolle oder Seide gar keine Elastizität hat. Um diese Ausreißer einzufangen, helfen Gefrierbeutel-Clips (auf Märkten kann man natürlich auch einfach entrindete Stöckchen nehmen), mit denen man die Ausreißer einem "Hürdenlauf" unterzieht. Die Clips werden so über und unter der Kette befestigt, daß sie die zu lockeren Fäden einfangen. Jeder Clip ist also eine Art Hürde, über die oder unter der der Ausreißer durch muß, so daß durch den "längeren Weg" die Spannung dieser Kettfäden erhöht wird.

Die Sache mit den Randbrettchen

Bei manchen Webtechniken haben wir die Schwierigkeit, daß die Randbrettchen, die ja meist durchgehend nur in eine Richtung gedreht werden, eine sehr viel höhere Spannung der Kette aufweisen als die Musterbrettchen.

Dies ist natürlich einerseits darauf zurückzuführen, daß sich die Kette hinter den Randbrettchen stärker verzwirnt als bei den Musterbrettchen. Dem ist relativ leicht Abhilfe zu schaffen, indem man die Drehrichtung der Randbrettchen öfter ändert, so daß sich die Kettfäden wieder entzwirnen.

Andererseits ist das Verdrillen der Musterfäden im Gewebe bei manchen Techniken (wie z.B. bei der Zweiloch Technik) nicht so stark wie bei den Randbrettchen, so daß nach einer Weile die Spannung der Kette bei den Randbrettchen viel höher ist als bei den Musterbrettchen. Dem kann man entgegenwirken, indem man nicht alle Randbrettchen bei jeder Vierteldrehung mitdreht! Stattdessen werden immer nur die Randbrettchen auf der Seite, wo der Schußfaden herausschaut mitgedreht - die Randbrettchen auf der anderen Seite "setzen einfach eine Runde aus". Auf diese Weise reduziert sich das Einschrumpfen der Kette am Rand um 50%, und das Spannungsproblem ist gelöst.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
valid-xhtml valid-css valid-rss get Firefox get phpwcms PageRank Checking Icon