10.jpg
flinkhand Derzeit hat Flinkhand
1 Besucher

Teil 3: Muster in Doubleface Weben

Ein einfarbiges Band ist zwar ganz nett, aber eigentlich wollten wir ja schöne Muster darauf haben, damit es nicht so langweilig aussieht. Für den Entwurf von Mustern und als Vorlage zum Weben brauchen wir einen Webbrief. Bisher hatten wir ja nur den Schärbrief, der uns als Vorlage für den Einzug der Fäden gedient hatte – nun schauen wir uns an, wie ein Webbrief entsteht und wie man ihn liest.

Ein Webbrief ist zunächst sehr ähnlich aufgebaut wie ein Schärbrief: Er zeigt Kästchen für alle Musterbrettchen. Da für die Randbrettchen keine Musteranleitung gebraucht wird, werden diese im Webbrief normalerweise auch nicht abgebildet. Außerdem hat er im Gegensatz zum Schärbrief viel mehr Reihen, weil jede Reihe für eine Webreihe (also für eine Vierteldrehung der Brettchen) steht. Der Webbrief für unsere einfarbige Fläche, die wir ja schon gewebt haben, sieht folgendermaßen aus:

df01.gif
  • weiß = Vorwärtsdrehung
  • grau = Rückwärtsdrehung

Einen Webbrief liest man übrigens immer von unten nach oben, so wie auch das Band gewebt wird. Von unten nach oben gelesen sehen wir hier also noch einmal als Webbrief, was wir bereits gewebt haben: Immer abwechselnd zwei Reihen vorwärts und zwei Reihen rückwärts im Wechsel. Dabei entsteht noch kein Muster sondern eine einfarbige Fläche. Es ist praktisch so etwas wie unsere Blankovorlage, in die wir nun schematisch ein Muster einzeichnen können. Dabei müssen wir lediglich darauf achten, daß das Muster mit unserem Drehrhythmus 2 x vor 2 x zurück „Schritt halten“ kann. Damit ist gemeint, daß ein eingezeichnetes Muster immer über eine gerade Anzahl von Reihen (2, 4, 6 usw.) gestaltet werden muß. Es darf niemals über eine ungerade Zahl an Reihen (über 1, 3, 5 usw.) berechnet werden, sonst kommen wir mit unseren Farbwechseln nämlich nicht klar. Ein Farbwechsel darf also immer nur nach der 2. oder 4. oder 6. Reihe erfolgen, nicht in einer ungeraden Reihe. Als ersten Versuch nehmen wir uns das Muster für eine Bourbonische Lilie (frz. fleur de lis) und zeichnen diese in unsere Blankovorlage ein:

df02.gif

Die hier etwas eckigen Konturen erscheinen beim Weben etwas runder, nur kann man in dieser Kästchendarstellung am besten erkennen, welche Brettchen bei welcher Drehung ein Muster bilden sollen. Alle Kästchen innerhalb der Kontur der Lilie sollen ja in der Musterfarbe (hell) gewebt werden, alle Kästchen außerhalb davon behalten die Hintergrundfarbe (dunkel) bei.

Das erreichen wir, indem wir die Drehrichtung aller Kästchen innerhalb der Kontur umkehren! Vorwärtsdrehungen werden in Rückwärtsdrehungen umgewandelt, so daß an genau diesen Stellen die Musterfarbe an die Oberfläche kommt. Wir haben ganz am Anfang der Übung beim Weben der Querstreifen festgestellt, daß:

  • eine Reihe in der hellen Farbe gewebt wird, wenn die dunklen Fäden vor der Vierteldrehung vorwärts vom Weber weg zeigen oder unten liegen;
  • eine Reihe in der hellen Farbe gewebt wird, wenn die dunklen Fäden vor der Vierteldrehung rückwärts zum Weber hin zeigen oder unten liegen.

Das kann sowohl für einen kompletten Brettchenstapel auf einmal wie auch für einzelne Brettchen aus dem Stapel gelten. Wenn wir also nicht eine komplette Reihe sondern nur bestimmte Teile davon andersfarbig weben wollen, müssen die Brettchen, wo das Muster erscheinen soll, genau entgegengesetzt gedreht werden (also rückwärts, wenn alle anderen Brettchen vorwärts gedreht werden). Wenn wir diese Regel auf unseren Webbrief anwenden, müssen wir nun alle grauen Kästchen (die ja für Rückwärtsdrehungen stehen) innerhalb der Kontur unseres Musters, durch weiße Kästchen (für Vorwärtsdrehungen) ersetzen und umgekehrt:

df03.gif

Das sieht jetzt vielleicht ein bißchen ungewohnt aus, weil der Musterbrief nicht die entstehenden Farben wiedergibt sondern nur die Drehrichtung jedes Brettchens in jeder einzelnen Reihe. Aber man gewöhnt sich sehr schnell an die Festlegung weiß = vorwärts und grau = rückwärts.

Zum Weben nehmen wir uns nun den Webbrief und ein Lineal, das wir auf den Webbrief legen, um es immer unter die zu webende Reihe zu schieben, damit wir nicht vergessen, in welcher Reihe wir gerade sind.

In den ersten beiden Reihen (wir lesen einen Webbrief ja immer von unten nach oben) werden alle Brettchen gemeinsam um jeweils eine Vierteldrehung vorwärts gedreht.

In der dritten und vierten Reihe werden alle Brettchen außer Brettchen 8 und 9 rückwärts gedreht. Brettchen 8 und 9 werden vorwärts gedreht! Am besten schiebt man diese beiden Brettchen (8 und 9) vor dem Drehen zu dem Päckchen mit den Randbrettchen nach hinten, denn die Randbrettchen drehen wir ja eh stur weiterhin vorwärts, egal was mit den Musterbrettchen gemacht wird. Nachdem wir diese beiden Reihen gewebt haben, schieben wir Brettchen 8 und 9 wieder zurück zu den anderen Brettchen in den "Stapel".

In der fünften und sechsten Reihe werden alle Brettchen außer Brettchen 6 bis 11 vorwärts gedreht. Also schieben wir all diese Brettchen (1 bis 5 und 12 bis 16) nach hinten zu den Randbrettchen, die wie wir wissen sowieso immer vorwärts gedreht werden. Nur die Brettchen 6 bis 11 bleiben vorne, weil wir die in die entgegengesetzte Richtung drehen müssen (nämlich rückwärts). Nach dem Weben dieser beiden Reihen schieben wir die Musterbrettchen wieder zusammen, so daß sie all wieder nebeneinander liegen.

Und so geht es weiter. In der siebten und achten Reihe werden alle Brettchen außer Brettchen 8 und 9 wieder rückwärts gedreht, nur die Brettchen 8 und 9 werden mit den Randbrettchen zusammen vorwärts gedreht.

So arbeiten wir uns weiter durch den Webbrief bis ganz nach oben zu den letzten zwei Webreihen, wo wir alle Brettchen gemeinsam wieder rückwärts drehen können, ohne einzelne Brettchen aus dem Stapel zu schieben. Die Lilie ist nun gut sichtbar auf dem Band.

Wieder zu Teil 2

Artikel erstellt: 19.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
valid-xhtml valid-css valid-rss get Firefox get phpwcms PageRank Checking Icon