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Anleitung Sulawesi

Sulawesi ist eine Technik, mit der man sehr reizvolle Bänder herstellen kann, die in der richtigen Farbkombination durchaus edel aussehen. Wer das Doubleface beherrscht, sollte mit Sulawesi kaum Schwierigkeiten haben, weil die Webweise auch nicht viel anders ist. Es gibt aber ein paar Punkte, die einem am Anfang Schwierigkeiten machen können, besonders wenn man nicht die richtige Ausgangsposition der Brettchen hat. Das ist aber auch schon das "A und O" der ganzen Geschichte. Hier erkläre ich die Technik Schritt für Schritt.

Richtig Schären

Wir haben ja bereits gesagt, daß beim Sulawesi nicht wie beim Doubleface nebeneinander in gleichen Farben geschärt wird. Der Aufbau ist hier ganz anders, nämlich eine gleiche Farbe in zwei diagonal gegenüberliegenden Löchern und zwei weitere Farben in den anderen beiden Löchern. Alle Brettchen werden am besten im Endloseinzug geschärt, weil dieser Aufzug für alle Brettchen gleichermaßen gilt, auch wenn sie anschließend "ungleich" sortiert werden. Am Beispiel braun, rot und gelb heißt das, daß in zwei sich diagonal gegenüberliegenden Löchern rot geschärt wird, in die beiden anderen Löcher jeweils ein brauner und ein gelber Faden eingezogen wird (also im Uhrzeigersinn rot, braun, rot und gelb nebeneinander). Hierfür bietet sich ganz wunderbar der Endloseinzug an.

Die Ausgangsposition

Hier müssen wir nun ein bißchen aufpassen, damit am Ende kein Murks bei der Musterbildung herauskommt. Für ein Beispiel mit 24 Brettchen und der bereits gewählten Farbgebung in rot, braun und gelb, ergibt sich folgender Schärbrief:

sulawesi_schaeren.jpg

HO = hinten oben, HU = hinten unten, VU = vorne unten, VO = vorne oben
(Position der Löcher in der Ausgangsposition, immer zur Webarbeit hin zeigend)

Was hier ein bißchen kompliziert aussieht, ist eigentlich gar nicht so schwierig:

Alle braunen Fäden sind vorne, alle gelben Fäden hinten. Das erinnert wieder ans Doubleface, wo auch eine Farbe nur vorne und die andere nur hinten zu finden ist.

Die Brettchen sind immer abwechselnd je zweimal S und zweimal Z geschärt. Beim Kontrollieren der richtigen Ausgangsposition kann man sich also daran orientieren, daß immer abwechselnd zwei unterschiedlich geschärte Brettchen mit genau der gleichen Ausgangsposition und zwei gleich geschärte Brettchen mit unterschiedlicher Ausgangsposition nebeneinanderliegen. Wenn wir also von links mit der Kontrolle beginnen, ist der braune Faden vorne oben (S), vorne unten (S), vorne unten (Z), vorne oben (Z) usw.

Es ist sehr wichtig, daß die Schaerrichtungen nicht durcheinandergebracht werden, denn sonst kommt am Ende kein vernünftiges Muster zustande. Wir erinnern uns:

  • Soll der Faden von rechts nach links verlaufen ( \ ), dreht man ein z-geschärtes Brettchen vorwärts, ein s-geschärtes Brettchen dagegen rückwärts.
  • Soll der Faden von links nach rechts verlaufen ( / ), dreht man ein s-geschärtes Brettchen vorwärts, ein z-geschärtes Brettchen dagegen rückwärts.
sulawesi_schaeren1.jpg

Die Musterbildung kann am Ende nur funktionieren, wenn wir vorher ordentlich geschärt haben und die Ausgangsposition stimmt. Bei den s-geschärten Brettchen muß also immer der braune Faden im ersten Brettchen von links vorne oben sein, und im zweiten dann vorne unten. Bei z-geschärten Brettchen ist es genau umgekehrt. Diese Regel hängt direkt mit der oben in Erinnerung gerufenen Regel für die Verlaufsrichtung beim Weben zusammen und ist durch den dicken schwarzen Strich hier im Ausschnitt des Schärbriefs links optisch dargestellt.

Auch wenn sich das jetzt vielleicht alles ein wenig kompliziert anhört, so steckt doch eine klare Logik dahinter, die immer wieder und ausschließlich auf die S- und Z-Schaerung hinausläuft. Das ist eigentlich auch das einzige wirkliche Geheimnis in der Brettchenweberei, und alle Webtechniken basieren ausschließlich auf diesem System. Ich versuche, das hier so im Detail zu erklären, daß man auch damit klarkommt, wenn man später mal einen Webbrief eines anderen Webers nacharbeiten möchte, wo dann vielleicht andere Begriffe drin stehen. Denn wer einmal das System selbst begriffen hat, hat auch mit den unterschiedlichen Webbriefen keine Schwierigkeiten und kann sie dann recht leicht für sich übersetzen.

Hintergrund weben

Um nun ohne Muster zunächst einmal die Hintergrundfarben zu weben, gehen wir genauso vor, wie beim Doubleface. Gewebt wird immer in den Schritten 2 x vorwärts und 2 x rückwärts. Dabei entsteht natürlich keine wirklich einfarbige Fläche sondern eine Hintergrundstruktur, die aus den roten und braunen Fäden gebildet wird und ein wenig wabenartig aussieht.

Abstrakt als Musterbrief dargestellt, sieht das dann so aus:

sulawesi_einfarbig1.jpg

Die Buchstaben links stehen für V wie vorwärts und R wie rückwärts und bezeichnen die Drehrichtung. Soweit ist also alles genau wie beim Doubleface, wenn man davon absieht, daß hier bereits zwei Farben involviert sind.

Nun wird diese bunte Darstellung sehr verwirrend, wenn wir nachher auch noch unterschiedliche Drehrichtungen für einzelne Brettchen im Musterbrief selbst eingeben wollen - deshalb gehen wir jetzt in eine dezentere Schwarz-weiß-Variante über, die es uns ermöglicht, die Rückwärtsdrehungen in Grau und die Vorwärtsdrehungen in Weiß darzustellen, ohne daß es für das Auge zuviel wird:

sulawesi_einfarbig2.jpg

Wir haben nun einen ganz normalen Webbrief, der allerdings mit diesem Strukturgitter überzogen ist. Dieser dient uns gleich für die Musterbildung als Orientierunghilfe, damit wir wissen, wo wir ansetzen können. Die Buchstaben V und R am Rand können wir dann von nun an auch weglassen.

Muster weben

Durch die für die Sulawesi-Technik typische "Wabenstruktur" kann man nicht einfach irgendwo ansetzen, um Musterlinien einzufügen. Hier ist wieder die Schärrichtung relevant! Um ein Muster entstehen zu lassen, muß der Weber die Hintergrundfarbe (in unserem Fall Gelb) so an die Oberfläche bringen, daß auch die Verlaufsrichtung stimmt. Versuchen wir uns erstmal an einem einfachen Beispiel:

sulawesi_muster1.jpg
Anstatt alle Brettchen zusammen zweimal vorwärts und zweimal rückwärts zu drehen, drehen wir die Brettchen 7 - 18 entgegengesetzt des normalen Rapports. (Vorwärtsdrehungen stehen hier immer noch als weiße Kästchen, Rückwärtsdrehungen in Grau.) Da wir diese mittleren Brettchen nun mehr als zweimal in eine Richtung drehen, erscheint an der Oberfläche die Hintergrundfarbe. Nur ein Loch je Brettchen ist in dieser Gelben Farbe geschärt, deshalb erscheint auch keine andersfarbige Fläche sondern eine feine Linie.

Die Richtung dieser Linie wird durch die Schärrichtung und die Drehrichtung bestimmt. Und da haben wir es wieder:

        Z-geschärte Brettchen vorwärts gedreht    =    \
 
        S-geschärte Brettchen vorwärts gedreht    =    /

 

Und wie gehabt auch genau umgekehrt beim Rückwärtsdrehen.
 
Für unser Muster heißt das, daß wir aufpassen müssen, welche Brettchen wir für die Musterbildung brauchen können, was uns in der Kreativität natürlich ein wenig eingrenzt. Denn beginnen wir unser Muster nur zwei Brettchen weiter vor (also Brettchen 5 - 16), sieht es natürlich gleich ganz anders aus:
sulawesi_muster2(1).jpg
Hier ist also genaues Aufpassen gefragt, denn wir wollen hier kleine Wabenrauten haben und keine kleinen Kreuze! Aus "O" wird ganz leicht "X", wenn wir ein wenig verrutschen!

Als kleines Übungsmuster kannst du dich nun an diesem kleinen Motiv hier versuchen:
sulawesi_muster3.jpg

Wie du siehst, ist es genauso einfach wie beim Doubleface. Da, wo ein Muster entstehen soll, werden die Brettchen einfach entgegengesetzt gedreht. Auch wird hier immer in Zweierschritten gearbeitet (2 vor, 2 zurück), genau wie beim Doubleface.

Das Ergebnis ist allerdings um einiges spektakulärer :o)

Artikel erstellt: 19.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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